Schweiz bereitet Kreditnehmern Sorgen

Im September 2011 legte die Schweizische Nationalbank (SNB) einen Mindestkurs zum Euro von 1,20 Franken fest. Am Donnerstag kippte die SNB diese Festlegung. Archivbild: dpa

Die Wertsteigerung des Schweizer Franken stürzt Hunderttausende Kreditnehmer in Ost- und Südosteuropa in Verzweiflung. Banken, Nationalbanken und Politik suchen Auswege.

Die Freigabe des Frankens schockiert hunderttausende Kreditnehmer außerhalb der Schweiz. Grund sei der rasante Anstieg der Raten für Hypothekenkredite, die an die Schweizer Währung gekoppelt sind, berichteten Zeitungen am Freitag. Die Rückzahlungsraten seien "über Nacht um bis zu 20 Prozent" in die Höhe geklettert, meldete beispieslweise die serbische Zeitung "Novosti". In Serbien geht es um 22 000 Kredite mit Franken-Bindung. Die Zeitung "Blic" machte folgende Rechnung auf: Wer vor fünfeinhalb Jahren zur Wohnungsfinanzierung einen Kredit von 70 000 Schweizer Franken zu einem Zinssatz von 4,5 Prozent mit einer Laufzeit von 25 Jahren aufgenommen hatte, musste zu Beginn 19 600 Dinare (158 Euro) zurückzahlen. Am Freitag waren es 48 272 Dinare (389 Euro).

Moratorium gefordert

In Kroatien gibt es nach Angaben des Finanzministeriums etwa 60 000 solcher Kredite. Von ihnen sind nach Darstellung der Interessensvertretung "Udrugaa Franak" (Franken-Gemeinschaft) rund 250 000 Menschen betroffen. Die größte Oppositionspartei HDZ hat am Freitag ein Moratorium für die Rückzahlung dieser Kredite verlangt. Auch rund 550 000 Polen haben Kredite in Schweizer Franken aufgenommen, weil sie auf die Stabilität der Währung gesetzt hatten. Hier sollen die Raten für die Kredite um teilweise mehrere hundert Zloty gestiegen sein. In Rumänien sind nach Schätzungen bis zu 150 000 Menschen betroffen.

Die Oesterreichische Nationalbank hat vor Auswirkungen auf Kredite gewarnt, die von Österreichern in Franken aufgenommen worden waren. Die Aufnahme von solchen Krediten war lohnend, weil der Zinssatz günstiger war als in anderen Währungsräumen. In Ungarn hatte die Regierung im November die Wechselkurse für Euro- und Franken-Kredite festgesetzt, um die Risiken aus Währungsschwankungen zu reduzieren.

Der "Wirtschaftswoche" zufolge drohen auch mehrere Kommunen in Nordrhein-Westfalen - darunter Essen und Bochum - durch die Franken-Freigabe in eine finanzielle Bredouille zu geraten. Die Kommunen müssten nun mit zusätzliche Kosten von insgesamt bis zu 900 Millionen Euro bei Fremdwährungskrediten rechnen. Dabei berief sich das Magazin auch auf Zahlen des NRW-Innenministeriums. Nach Angaben des Ministeriums hatten Ende 2013 von knapp 400 Gemeinden 25 Fremdwährungskredite in einem Volumen von 1,9 Milliarden Euro in den Büchern. Ein großer Anteil soll auf Schweizer Franken lauten.

Geringeres Wachstum

Die UBS erwartet nun ein deutlich geringeres Wachstum in der Schweiz. Das Bruttoinlandsprodukt werde 2015 lediglich um 0,5 Prozent zunehmen, hieß es in einer Analyse vom Freitag. Bislang war die Schweizer Großbank von einem Wachstum von 1,8 Prozent ausgegangen. Die UBS erwartet zudem Einbußen von fünf Milliarden Euro bei Warenexporten in die Euro-Zone. Der Verband der Schweizer Unternehmen teilte mit, viele Betriebe in der Exportindustrie sowie im Tourismus, die bei einem "vernünftigen" Wechselkurs wettbewerbsfähig wären, müssten wohl ihre Segel streichen.
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