Schwere Zeiten für den Textilhandel
Leere Läden, volle Regale

Es sind schwere Zeiten für den Textilhandel. In den vergangenen Monaten lagen die Verkaufszahlen im stationären Modehandel einer Marktuntersuchung des Branchenblattes "Textilwirtschaft" zufolge unter den Vorjahreszahlen. Bild: dpa

Die Temperaturen sind gerade erst herbstlich geworden, da locken viele Modeläden in den Innenstädten schon mit hohen Rabatten. Denn das Geschäft lief in den vergangenen Monaten schlecht - wegen des ungewöhnlich langen Sommers, aber auch aus anderen Gründen

Düsseldorf. Gerade erst hat der Herbst in Deutschland Einzug gehalten, da setzen vielen Modehändler in den Innenstädten bei den Herbstkollektionen schon den Rotstift an. "Mid-Season-Sale" locken die Schilder und versprechen Rabatte bis zu 50 Prozent. Die Händler stehen unter Druck. Die Geschäfte liefen schlecht in den vergangenen Monaten.

Zwischen Mai und September lagen die Verkaufszahlen im stationären Modehandel nach einer Marktuntersuchung des Branchenblattes "Textilwirtschaft" Monat für Monat unter den Vorjahreszahlen. "Es war grausig", meint Jürgen Dax, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels (BTE). Doch was für die Händler schlimm ist, kann für die Verbraucher durchaus Vorteile haben. "Es wird vermutlich ein Herbst der hohen Rabatte werden", prognostizierte jedenfalls die "Textilwirtschaft" schon vor einigen Wochen. Zwar hat inzwischen der Kälteeinbruch die Geschäfte wieder etwas angekurbelt. Doch ob dies ausreicht, die Einbußen der vergangenen Monate wettzumachen, darf bezweifelt werden.

Am seidenen Faden


In den vergangenen Monaten sind bereits eine ganze Reihe namhafter deutscher Textilhändler in wirtschaftliche Turbulenzen geraten, darunter Wöhrl und Sinn-Leffers. "Einige textile Einzelhändler hängen am seidenen Faden", urteilt der Deutschland-Chef des Kreditversicherers Euler Hermes, Ron van het Hof. Auch BTE-Hauptgeschäftsführer Dax ist überzeugt, dass "ein Teil der Firmen unter gehörigem Druck steht". Auf der Suche nach Liquidität werde dann häufig viel zu schnell zum Rotstift gegriffen.

Das Problem mit einem schier endlosen Spätsommer und einem viel zu kurzen Herbst hat die Branche allerdings nicht zum ersten Mal. Schon in den vergangenen Jahren klafften Modeangebot und Außentemperaturen immer wieder auseinander. Doch werde die Branche zunehmend aus Schaden klug, meint Dax. "Der Trend geht eindeutig dahin, dass Herbst- und Winterware später in die Läden kommen."

Allerdings ist das launige Wetter nicht das einzige und vielleicht nicht einmal das größte Problem der Modehändler in den Innenstädten. Denn nicht nur Wetterkapriolen sorgen dafür, dass die Mode-Käufer sich seltener auf den Weg in die Fußgängerzonen machen. Vor allem der Siegeszug des Online-Handels dünnt den Kundenstrom aus. Und wer doch noch kommt, kauft immer häufiger vor allem bei internationale Ketten wie H&M, Zara oder Primark ein.

Discounter als Konkurrenz


Als wäre das nicht genug, wollen nun auch noch die beiden größten deutschen Discounter, Aldi und Lidl, ihr Mode-Standbein kräftigen. Schon heute gehören beide Ketten zu den Top Ten des deutschen Textilhandels. Doch das bisherige Geschäft mit Grabbeltischware reicht den Billiganbietern offenbar nicht mehr. Aldi Süd präsentierte in diesem Jahr schon zwei Modekollektionen, die von der Designerin Jette Joop entworfen wurden und sich an eine jüngere, markenbewusste Klientel wenden. Lidl bot eine neue Premium-Kollektion seiner Modelinie Esmara sogar zehn Tage lang werbewirksam auf Hamburgs edelster Einkaufsstraße, dem Neuen Wall, an. Die Zeiten werden also wohl nicht leichter für den Modehandel.

Tom Tailor wird ein paar Nummern kleinerDie Modekette Tom Tailor verschärft ihren Sparkurs. Die Marke Bonita Men werde vom Markt genommen und die gut 70 Geschäfte würden dicht gemacht, dazu auch 150 Filialen von Bonita Women, teilte Tom Tailor am Donnerstag in Hamburg mit. Einzelne Geschäfte der Marke Tom Tailor würden ebenfalls überprüft und aus dem Filialnetz genommen, wenn sie nicht profitabel genug seien. Die meisten der Filialen würden in Deutschland geschlossen.

Der Konzern betreibt 468 Tom-Tailor-Filialen und mehr als 1000 Geschäfte der Marke Bonita. Dazu kommen mehr als 200 Franchise-Geschäfte, mehr als 3000 Shop-in-Shops und rund 8400 weitere Verkaufsstellen in Läden mit mehreren Marken. Die Marke ist in 40 Ländern präsent. Aus Südafrika und Frankreich werde sich Tom Tailor nun zurückziehen, in China und Indien neue Strategien überprüfen, heißt es in der Mitteilung.

Mit dem Rückbau des Filialnetzes werde auch ein Stellenabbau verbunden sein. Der Konzern beschäftigt rund 6900 Mitarbeiter. Die angekündigten Maßnahmen würden eine Belastung von rund 70 Millionen Euro bedeuten. (dpa)
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