Schwerer Schlag für Middelhoff

Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wurde wegen Untreue in 27 Fällen und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt. Bild: dpa

Damit dürfte Thomas Middelhoff nicht gerechnet haben: ein überraschendes Urteil und noch im Gerichtssaal die Verhaftung. Dabei galt er vor wenigen Jahren als einer der einflussreichsten Manager Deutschlands.

Thomas Middelhoff vergräbt sein Gesicht in seinen Händen. Als er die Augen wieder hebt, wirken seine Züge versteinert. Der 61-Jährige erlebt am Freitag im Saal 101 des Landgerichts Essen eine der schwärzesten Stunden seines Lebens.

Das Gericht verurteilt den Ex-Chef des pleitegegangenen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor nicht nur wegen Untreue in 27 Fällen und Steuerhinterziehung in 3 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren - völlig überraschend erlässt es wegen Fluchtgefahr zudem Haftbefehl gegen Middelhoff.

Es ist ein tiefer Fall. Als Bertelsmann-Chef verdiente er Milliarden für den Gütersloher Medienriesen, danach war er als Investmentbanker in London tätig. Als er den Chefsessel beim angeschlagenen Warenhauskonzern KarstadtQuelle übernahm, wurde er von den Beschäftigten als Retter begrüßt.

Doch der Einstieg bei dem später in Arcandor umbenannten Handelsunternehmen erwies sich als Wendepunkt seiner Karriere. Middelhoff gelang es nicht, eine nachhaltige Erholung des Handelsriesen zu erreichen. Er musste Anfang 2009 den Chefsessel räumen, die Firma meldete Insolvenz an. Und ausgerechnet dieses Verfahren wurde zum Fallstrick. Es sei die "Erbsenzählerei" der Insolvenzverwalter gewesen, die zum Essener Verfahren geführt habe, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Schmitt.

Zur Arbeit im Hubschrauber

Dabei ging es nicht darum, ob Middelhoff Schuld an der Arcandor-Pleite ist, sondern ob er als Vorstandschef den Konzern zu Unrecht mit Kosten belastete, die er selbst hätte tragen müssen. In 27 Fällen bejahte das Gericht diesen Vorwurf. Es geht um teure Flüge im Charterjet nach New York. Um Reisen mit dem Privatjet zum Ferienhaus nach Saint-Tropez und um Hubschrauberflüge vom Wohnsitz in Bielefeld zur Firmenzentrale in Essen. Außerdem um eine 180 000 Euro teure Festschrift zu Ehren seines Mentors Mark Wössner.

Er habe in 15 Jahren als Richter selten einen Angeklagten erlebt, der sich in so viele Widersprüche verwickelt habe, sagte Schmitt. An entscheidenden Stellen sei Middelhoff nicht ehrlich gewesen. So habe er anfangs erklärt, beim Handelskonzern eine neue Herausforderung gesucht zu haben und sei deshalb sogar zu Gehaltseinbußen bereit gewesen. Doch es wurde offensichtlich, dass er bei einer erfolgreichen Sanierung mit einer Prämie in Höhe von 100 Millionen Euro habe rechnen können.

Strafmildernd wertete das Gericht das tadelsfreie Vorleben des Angeklagten, seine bisherige Lebensleistung sowie die erhebliche Belastung durch den Medienrummel. Auch die "besondere Haftempfindlichkeit" sei berücksichtigt worden.

Die Konsequenzen für den Manager sind bitter: Statt in seiner Villa in Saint-Tropez dürfte er die nächsten Nächte in einer Zelle in einer nordrhein-westfälischen Justizvollzugsanstalt verbringen. Erst in der nächsten Woche soll ein weiterer Haftprüfungstermin stattfinden, der die Tore der JVA für den Manager wieder öffnen könnte. Middelhoffs Verteidiger können gegen das Urteil Revision beim Bundesgerichtshof einlegen.
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