Seit Einführung des Bestellerprinzips suchen sich viele Vermieter ihre Kundschaft selbst - ...
Kampf ums Überleben: Maklern bricht Geschäft weg

Bis vor kurzen hat Dirk Wohltorf noch Mieter in die passende Wohnung gebracht. Im ruhigen, grünen Nordwesten Berlins, wo in den Einfahrten große Geländewagen stehen, oft für Mitarbeiter eines großen Fernsehsenders. Da zahlte der Sender die Courtage, der Makler und die neuen Mieter machten ein gutes Geschäft. Zuletzt aber hat Wohltorf alle Anfragen abgelehnt. "Ich mache keine Vermietung mehr", sagt der Berliner. Kurz nach der Einführung des Bestellerprinzips im Sommer hat er sich aus dem Markt der Vermietungen verabschiedet. Viele seiner Kollegen auch.

Denn seit Juni ist den Maklern ein großer Teil ihres Geschäfts weggebrochen. Vermieter können die Courtage seitdem nicht mehr auf die künftigen Mieter abwälzen. Es gilt: Wer den Makler bestellt, muss ihn auch zahlen. "Na klar merkt man, dass die Eigentümer jetzt zurückhaltender sind", sagt Wohltorf. Viele suchen ihre Mieter selbst. In der Folge kämpfen Maklerbüros ums Überleben. Wie hoch die Umsatzeinbußen sind, will der Maklerverband IVD erst in einigen Monaten bilanzieren. In einer Umfrage für die Internetseite Immobilienscout24 aber berichteten bereits 84 Prozent der in der Vermietung tätigen Makler von deutlichen Einbrüchen. Einige verloren mehr als 50 Prozent. Fast jeder zweite Makler mit Schwerpunkt Vermietung sieht seine Existenz gefährdet.

Auch Wohltorf berichtet von Maklern, die ihr Gewerbe aufgeben mussten. Mehr aber hätten es gemacht wie er, sich von Vermietungen ab- und dem Verkauf zugewandt. "Es gibt einen klaren Wechsel weg von Vermietungen zum Verkauf", sagt auch Andreas Besenböck, der für den IVD Deutschland spricht. Der Verband hat beobachtet, dass viele Makler ihr Angebot verändert haben.

Und dass sie oft weniger Geld verlangen können. In ländlichen Regionen zahlten Eigentümer weiter zwei bis drei Monatsmieten an den Vermittler. In den sehr nachgefragten Wohnungsmärkten der Großstädte aber werde teilweise auch nur eine Monatsmiete oder eine Pauschalsumme für die Vermittlung vereinbart, erklärt IVD-Präsident Jürgen Michael Schick.

Doch das ist nicht das einzige Problem der Makler: Mit flotten Sprüchen positionieren sich inzwischen zahlreiche Start-ups als Alternative zum klassischen Immobilienmakler. Die heißen Wunderagent, nesthub, moovin, McMakler, housy oder vendomo. "Mit nur zwei Stunden Aufwand zum Traummieter" versprechen sie. Oder "Makler war gestern". Das Bestellerprinzip hat den Markt verändert und den Boden für Online-Anbieter geschaffen.
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