Selbstsicher am Steuer

Auffrischungskurse für ältere Autofahrer stoßen auf großes Interesse. Teilnehmer sitzen danach wieder selbstbewusster am Lenkrad.

Viele Menschen fahren auch im höheren Alter noch gerne Auto. Nicht immer sind sie allen Fahrsituationen gewachsen. Manche haben auch Angst vorm Autofahren. Statt das Auto deshalb immer weniger zu nutzen, können Auffrischungskurse und Praxisstunden helfen.

Stadtverkehr, Autobahn, Nachtfahrten: Ältere Autofahrer trauen sich am Steuer oft nicht mehr alles zu. Dazu kommen gesundheitliche Einschränkungen und manchmal auch Unkenntnis über neue Verkehrsregeln und Autotechnik. Alles jedoch kein Grund, sein Auto stehen zu lassen. Stattdessen lernt man lieber Neues dazu. Denn das macht nicht nur Spaß. Es sorgt auch dafür, dass man danach wieder selbstsicherer hinter dem Lenkrad sitzt.

Das kann Ernst Przybilla nur bestätigen. Er bietet Auffrischungskurse für ältere Autofahrer an. Die Nachfrage sei groß, erzählt der Fahrlehrer, der im thüringischen Rudolstadt eine Fahrschule betreibt. Darin geht es um Verkehrsregeln, Autotechnik, Gesundheit, Verhalten nach Unfällen. "Die Zeit vergeht immer wie im Flug, weil sich meist sehr angeregte Diskussionen entwickeln", sagt Przybilla. Er erklärt dann etwa, wie ein Tempomat funktioniert oder erläutert noch einmal die Vorfahrtregel. "Bei mir haben die Teilnehmer ihren Führerschein oft in der DDR gemacht. Dort galt beim Linksabbiegen eine andere Vorfahrtregelung", erklärt der Fahrlehrer.

Brille notwendig?

Besonders sensibel ist das Thema Gesundheit. "Der Fahrzeugführer hat mit dem Führerschein das Recht, Auto zu fahren", sagt Przybilla. "Er ist aber gleichzeitig in der Pflicht, auf seinen Körper zu hören und sein Fahrvermögen realistisch einzuschätzen." In seinen Kursen klärt er etwa auf, wie sich Medikamente auf die Fahrtüchtigkeit auswirken können. Er lädt zum Beispiel auch Optiker ein, die den Teilnehmern anbieten, in einem Nebenraum Messungen durchzuführen. Danach geben die Experten Empfehlungen, ob eine Brille für das Autofahren anzuraten wäre.

Mit zunehmenden Alter sollten sich Autofahrer einfach bewusst sein, dass sie andere Risiken am Steuer haben als etwa Fahranfänger, sagt Ulrich Chiellino, der beim ADAC als Verkehrspsychologe arbeitet. Er rät älteren Menschen, vor der Fahrt in den Körper hineinzuhorchen und sich selbst zu fragen: Bin ich fit genug? Statistisch betrachtet nimmt die Fahrtüchtigkeit ab dem 75. Lebensjahr deutlich ab, wie Sandra Demuth vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) sagt. Gründe sind langsamere Informationsaufnahme, verlängerte Reaktionszeiten sowie nachlassende Beweglichkeit. Grundsätzlich ist Fahrtüchtigkeit aber keine Frage des Alters, sondern der Gesundheit.

Fahrsicherheitstraining

Manchmal fühlen sich ältere Autofahrer bei bestimmten Herausforderungen nicht mehr wohl. Zum Beispiel im städtischen Berufsverkehr, auf der Autobahn oder beim Fahren in der Nacht. Eine Möglichkeit ist, diesen Situationen aus dem Weg zu gehen. "Grundsätzlich ist es eine gute Reaktion, sein Mobilitätsverhalten anzupassen", findet Demuth.

Man kann die Probleme am Steuer aber auch aktiv angehen. Zum Beispiel im Fahrsicherheitstraining, so Demuth. Auch offizielle Begutachtungsstellen für Fahreignung seien eine gute Anlaufstelle, um sich überprüfen zu lassen. Fahrschulen wiederum haben meist speziell für ältere Fahrer geschulte Fahrlehrer. "Der Vorteil hier ist, dass man mit dem Fahrlehrer seine Alltagsstrecken abfahren kann und er dazu Feedback gibt", sagt Demuth.

Im besten Fall kann der Fahrlehrer sich außerdem in die Köpfe der Kursteilnehmer hineinversetzen. Besonders wichtig ist das bei Praxisstunden. "Viele denken, dass die wie eine Prüfung sind und sie dabei ihren Führerschein verlieren können", erzählt Przybilla. Diese Ängste kann er schnell zerstreuen: Weder darf er selbst den Führerschein einziehen, noch darf er der Führerscheinbehörde Meldung machen. Gleiches gilt übrigens auch für Ärzte und die Experten in den Begutachtungsstellen. Sie sprechen jeweils nur Empfehlungen aus.

Der Situation stellen

"Ich gebe während und nach der Fahrstunde nur Hinweise, was mir gefallen und nicht gefallen hat", betont Przybilla. Oft registriere er dabei enorme Defizite. In manchen Fällen muss Przybilla deshalb den Rat geben, das Autofahren lieber aufzugeben.

Egal, ob es bei Fahrpraxis, Verkehrsregeln oder der Bedienung des eigenen Autos Baustellen gibt: Untätig bleiben ist immer der falsche Weg. "Man muss sich der Situation stellen, um sich am Steuer zu verbessern", so Chiellino. Dafür macht er Mut: Eine Studie der TU Dortmund habe gezeigt, dass auch ältere Autofahrer schon mit wenigen Stunden angeleiteter Fahrpraxis schnell wieder ein gutes Fahrniveau erreichen. "Das zeigt, dass man auch im hohen Alter Fähigkeiten am Steuer wiedererlangen kann."
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