So bleiben Ältere im Job am Ball - Mindestens eine Fortbildung pro Jahr stärkt das Profil im ...
Der lange Lauf bis zur Rente

Wer in Rente gehen will, muss derzeit regulär bis 67 arbeiten - und in Zukunft noch länger, schätzen Experten. Das bringt für Mitarbeiter neue Herausforderungen mit sich, aber auch Chancen.

"Immer mehr Menschen werden in Zukunft zwischen 65 und 70 Jahren noch arbeiten", sagt Prof. Lutz Bellmann vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. "Die längere Berufstätigkeit wird zum einen materielle Gründe haben", sagt Götz Richter. Er forscht zum Thema demografischer Wandel in der Arbeitswelt bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua). Die Renten schrumpfen. Mancher werde es sich in Zukunft nicht leisten können, im Alter nicht zu arbeiten, wenn er privat nur schlecht vorgesorgt hat. Aufgrund des demografischen Wandels fehlten den Firmen die Fachkräfte. Zunehmend hätten Unternehmen deshalb ein Interesse daran, Ältere im Betrieb zu halten.

Wie ein Marathonlauf

Doch was bedeutet es für Beschäftigte, wenn sie immer länger im Job bleiben? "Das Erwerbsleben der Zukunft lässt sich mit einem Marathonlauf vergleichen", sagt Richter. Um den langen Lauf bis zur Rente zu meistern, müssen Beschäftigte ihre Kondition einteilen. Die Karriere entscheide sich weder auf den ersten, noch auf den letzten Metern. Beschäftigte müssten vielmehr kontinuierlich am Ball bleiben.

Das erfordere in jedem Fall, sich regelmäßig weiterzubilden, sagt Karriereberaterin Svenja Hofert. Gerade Mitarbeiter, die seit einer langen Zeit in einem Unternehmen beschäftigt sind, liefen häufig Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Sie wiegen sich häufig in falscher Sicherheit, dass sie sich nie nach einer neuen Stelle umsehen müssen. Passiert es dann doch, etwa weil die Firma in Konkurs geht, sei es für sie häufig schwierig, wieder einen Job zu finden.

Einmal im Jahr ist das Minimum

Beschäftigte sollten deshalb regelmäßig Stellenanzeigen aus dem eigenen Bereich lesen und überprüfen, ob sie die dort verlangten Fertigkeiten haben. Was fehlt, eignen sich Mitarbeiter am besten mit einer Weiterbildung selbst an. Eine Fortbildung pro Jahr sei das Minimum.

Außerdem sollten Beschäftigte im Job nach Herausforderungen greifen, wenn sie sich ihnen anbieten, erklärt Richter. "Klar macht es Stress, wenn ich in der Firma die Tätigkeit wechseln muss", sagt Richter. Doch gerade jene, die als Vorreiter solche Herausforderungen annehmen, bleiben geistig flexibel. Er empfiehlt deshalb, immer zuzugreifen, wenn sich Mitarbeitern neue Aufgabenfelder bieten. Auf den ersten Blick wirkt es für viele erschreckend, dass die Zeit bis zur Rente sich immer länger hinziehen wird. Doch die Flexibilität bietet auch Chancen, erklärt Gundolf Meyer-Hentschel. Er berät Firmen zur Demografie.

In Zukunft werden Menschen mit Ende 60 nicht zum alten Eisen gehören. Wer dann noch fit ist, könne auch dann noch einmal den Neustart wagen. (tmn)
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