Sparkurs beginnt an der Spitze

Der frühere Kanzleramtsminister Ronald Pofalla ist die prominenteste Personalie des Bahn-Umbaus. Er rückt in den Vorstand auf. Bild: dpa

Schwache Erträge, verschärfter Wettbewerb: Bei der Bahn läuft es in vielen Geschäftsfeldern nicht rund. Nun steuert der bundeseigene Konzern um. Allein die Zentrale soll in den nächsten Jahren Hunderte Millionen Euro sparen.

Der Aufsichtsrat des Konzerns beschloss auf einer Sondersitzung, die Zahl der Vorstandsmitglieder von acht auf sechs zu verringern. Das teilte die Deutsche Bahn am Montag in Berlin mit. Neu in der Führungsriege ist ab 1. August auch der frühere Kanzleramtschef Ronald Pofalla. Infrastruktur-Vorstand Volker Kefer wird zusätzlich Stellvertreter von Bahnchef Rüdiger Grube.

Schneller, effizienter

Allein in der Zentrale will die Bahn den Angaben zufolge bis 2020 rund 700 Millionen Euro sparen. Das umfasst demnach aber bereits beschlossene Maßnahmen von 610 Millionen Euro. "Wir handeln, weil ein verschärfter Wettbewerb, zunehmende Regulierung und zu schnell steigende Kosten derartige Veränderungen erfordern", erklärte Grube. Es soll sich auch die Konzernstruktur ändern. Darüber entscheide der Aufsichtsrat aber erst im Dezember, hieß es. Das Ziel des Umbaus: Die Bahn soll schneller und effizienter werden, Entscheidungs- und Kommunikationswege verkürzt werden - damit der Konzern wettbewerbsfähiger und profitabler wird.

Die Ertragslage der Bahn ist angespannt: In den vergangenen Jahren sanken die Gewinne, der Umsatz stagnierte. Von mittelfristigen Wachstumszielen musste sich Grube bereits verabschieden. Für das erste Halbjahr 2015 wird beim Ergebnis mit einem Rückgang gerechnet - die Bahn legt die Zahlen heute vor. Im Fernverkehr hatte die Bahn die Konkurrenz der Fernbusse lange unterschätzt, dazu kommen die Billigflieger und günstige Spritpreise fürs eigene Auto.

Der Vorstandsumbau sieht im Einzelnen vor, dass Ronald Pofalla demnächst die Bereiche Recht, Regeltreue, Datenschutz und Konzernsicherheit verantwortet. Er ist außerdem wie bisher der Cheflobbyist der Bahn und für politische Kontakte zuständig.

In den Vorstand rückt zudem der bisherige Fernverkehrschef Berthold Huber auf, der den Personenverkehr sowie die Güterbahn übernimmt. Finanzvorstand Richard Lutz soll sich zusätzlich um die europäische Busgesellschaft Arriva und die Logistiksparte jenseits der Schiene kümmern. Nicht mehr im Vorstand sind der bisherige Personenverkehrschef Ulrich Homburg, Technikchefin Heike Hanagarth sowie Gerd Becht, bisher für Datenschutz, Regeltreue und Konzernsicherheit zuständig. Der bisherige Vorstand für Transport und Logistik, Karl-Friedrich Rausch, geht früher als geplant in den Ruhestand.

Bei der geplanten Reform der Konzernstruktur soll es offenbar vor allem darum gehen, den bisherigen Teilkonzern DB-Mobility-Logistics aufzulösen. Dort sind bisher die Geschäftsfelder für Personen- und Güterverkehr zusammengefasst.
Weitere Beiträge zu den Themen: Berlin (7520)Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.