Start der Cebit in Hannover
Gabriel plant neue digitale Offensive

"Digitales Wirtschaftswunder": Ein solches möchte die Bundesregierung in Gang bringen. Deshalb hat Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel zur Cebit ein Strategiepapier vorgelegt. Bild: dpa

Zur IT-Messe Cebit in Hannover will die Bundesregierung die Initiative beim digitalen Wandel zurückgewinnen. Die Strategie von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) setzt auf viele Milliarden, Wagniskapital und eine neue Agentur.

Berlin/Hannover. Mit dem forcierten Ausbau des schnellen Internets auf Glasfaser-Basis, einer neuen Bundesagentur und Milliarden-Förderung für junge Firmen soll die deutsche Wirtschaft für das digitale Zeitalter fit gemacht werden. "Die erfolgreiche digitale Transformation unserer Volkswirtschaft ist die Voraussetzung für den Erhalt und die Stärkung unserer Wettbewerbsfähigkeit", erklärte Vize-Kanzler Gabriel. Er schlägt unter anderem den Aufbau einer Digitalagentur als Kompetenzzentrum für Regulierungsfragen und Verbraucherschutz vor. In einem ersten Schritt dafür sollte die Bundesnetzagentur genutzt werden.

Die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur bis 2025 werden auf 100 Milliarden Euro beziffert. Diese sollten aus Sicht des Wirtschaftsministeriums überwiegend von privaten Investoren mobilisiert werden. Vorgeschlagen wird auch ein Zukunftsinvestitionsfonds für Gigabit-Netze im ländlichen Raum. Mit einem Fondsvolumen von 10 Milliarden Euro sollen weitere Investitionen ausgelöst werden. Um mehr Wagniskapital für junge Technologiefirmen zu mobilisieren, müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden. Vorgeschlagen werden auch Steueranreize bei der Finanzierung innovativer Unternehmen. Die Börse als Finanzierungsquelle für junge Wachstumsunternehmen solle "wiederbelebt" werden. Nachhaltig gestärkt werden müssten Datensicherheit und Datenschutz, heißt es weiter.

Abgestimmte Strategie


Im Kampf gegen Internetkriminalität wie Betrug, Ausspähen oder Sabotage braucht Europa nach Ansicht von IT-Experten eine abgestimmte Strategie. Das gelte auch für die Frage einer Absicherung der kritischen Infrastruktur, sagte der Chef der europäischen IT-Sicherheitsagentur Enisa, Udo Helmbrecht am Montag bei der Cyber-Sicherheitskonferenz auf der Cebit in Hannover. Angesichts größer werdender Datenströme gewinne das Problem an Bedeutung. "Die Bedrohung ist global", warnte auch der Leiter der Abteilung Cyber-Verbrechen beim Bundeskriminalamt (BKA), Carsten Meywirth, unter Hinweis auf Computer-Trojaner, die unter anderem Krankenhäuser, Behörden und Verwaltungen lahmlegen.

Ausgefeilte Software


Sogenannte Erpresser-Software komme immer ausgefeilter daher und sei auf regelrechten Marktplätzen im Internet zu bekommen. Meywirth sagte, es gebe Geschäftsmodelle, bei denen Hersteller der Schadstoff-Software nach deren erfolgreichem Einsatz an den erpressten Erlösen beteiligt werden. Mit infizierten E-Mails wurde bei Angriffen Software in die Rechner geschleust, die Dateien verschlüsseln. Für die Entschlüsselung wird Lösegeld gefordert.

Die Digitalisierung löst erste Umwälzungen in der deutschen Wirtschaft aus. Vier von zehn Unternehmen brachten im Zuge des Wandels neue Produkte oder Dienste auf den Markt, erklärte der Branchenverband Bitkom. Zugleich musste aber auch jede achte Firma deswegen Angebote vom Markt nehmen. Zur Digitalisierung gehören unter anderem die Vernetzung von Maschinen und Alltagsgegenständen, die Auswertung ihrer Daten und daraus entstehende neue Geschäftsmodelle.

"Sicherer Datenraum"


Zur Cebit ging auch der "sichere Datenraum", in dem Unternehmen vernetzte Technik ohne Angst vor Diebstahl wichtiger Informationen betreiben sollen, an den Start. Er wurde unter Federführung der Fraunhofer-Gesellschaft entwickelt. "Die Technologie für die Industrie 4.0, die wir gerade vorbereiten, bietet ein Maximum an Sicherheit", versicherte Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer. Dem Verein, der den Datenraum betreiben soll, gehören unter anderem die Allianz, Bayer, Rewe, Schaeffler, Thyssenkrupp, Volkswagen und der Branchenverband ZVEI an. Gestartet worden seien bisher mehrere Testversuche, so erprobten die Mitglieder Bosch und Sick die sichere Datenkommunikation mit intelligenten Frachtcontainern.
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