Starthilfe für Start-ups

Für junge innovative Unternehmen ist es hierzulande nicht nur schwer, Geld aufzutreiben. Auch bei Börsengängen von Hightech-Firmen hinkt Deutschland hinterher. Das soll sich jetzt ändern.

Jungen Wachstumsfirmen in Deutschland soll der Gang an die Börse als Finanzierungsquelle erleichtert werden. Mit steuerlichen Anreizen für Risikokapitalgeber, vorbörslichen Plattformen und weniger Auflagen wollen Bundesregierung und Finanzwirtschaft mehr Hightech-Firmen für den Gang auf das Börsenparkett fit machen.

"Mit gerade einmal drei Börsengängen von Technologieunternehmen jeweils im letzten und in diesem Jahr haben wir vor allem im Vergleich mit angelsächsischen Ländern zu wenige solcher Börsengänge", sagte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) am Freitag in Berlin. Damit werde Deutschland dem Anspruch einer modernen innovativen Industrienation nicht gerecht.

20 Börsengänge pro Jahr

Die Unternehmerin Susanne Klatten forderte, der Börsenstandort Deutschland solle pro Jahr durchschnittlich bis zu 20 Börsengänge von Wachstumsunternehmen anstreben. An Ideen mangele es in Deutschland nicht. Nötig seien bessere Rahmenbedingungen, sagte die Anteilseignerin mehrerer Industrieunternehmen.

Ein im vergangenen Jahr gegründeter Expertenkreis schlägt unter anderem vor, den Freiverkehr als nicht öffentlich reguliertes Börsensegment für die Bedürfnisse junger Wachstumsunternehmen weiter zu entwickeln. Börsenanwärter sollten trainiert und administrative Vorgaben für Börsengänge reduziert werden. Auch sollten Börsenprospekte schlanker sein sowie ein eigener Börsenindex für junge Firmen entwickelt werden. Dieser sollte zusätzlich zu der Plattform "Deutsche Börse Venture Network" geschaffen werden, die bereits im Juni 2015 startete.

Die Aktienkultur in Deutschland sei unterentwickelt, kritisierte Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank. Auch die Bereitschaft, in Wachstumsfirmen zu investieren, sei in den USA deutlich ausgeprägter als in Deutschland. Das, was schon existiere, müsse im Ausland auch stärker präsentiert werden.

Kein neuer "Neuer Markt"

Die Deutsche Börse bringt seit Juni auf einer neuen Plattform junge Unternehmen mit finanzkräftigen Investoren zusammen. Ursprünglich hatte die Große Koalition ein Börsensegment für Newcomer angestrebt - ähnlich dem später abgestürzten "Neuen Markt" der 90er Jahre. Aus Sicht der Deutschen Börse würde aber ein "Neuer Markt 2.0" nicht das Problem fehlender Finanzierung in der Wachstumsphase beseitigen.
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