Steilmann-Pleite keine Überraschung
Dunkle Wolken über deutscher Modebranche

Steilmann hat sich auf Mode für die Zielgruppe der "Best Ager" - also der über 45-Jährigen - spezialisiert und verkauft seine Textilien in 18 Ländern. Archivbild: dpa

Probleme gibt es nicht nur bei Steilmann. Auch bei bekannten Modemarken laufen die Geschäfte derzeit schlechter als erwartet. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie die Mode.

Düsseldorf. Nicht nur die Insolvenz des Modeherstellers Steilmann sorgt für Unruhe in der Branche. Auch bei anderen bekannten Marken laufen die Geschäfte schlechter als erwartet. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. "Das Wegbrechen des Russland-Marktes hat vielen deutschen Textilherstellern zu schaffen gemacht", berichtet Branchenkenner Alfred Haar von der Unternehmensberatung Hachmeister. "Und der starke Dollar hat für zusätzlichen Druck gesorgt. Denn die gestiegenen Beschaffungspreise konnten oft nicht an den Handel und den Endverbraucher weitergegeben werden."

Handys statt Kleidung


Auch die sich wandelnden Konsumneigungen der Verbraucher in Deutschland machen der Branche Probleme. Denn die Kunden geben ihr Geld immer häufiger lieber für neue Handys und Reisen aus als für neue Garderobe. Und wenn doch noch Geld für Mode ausgegeben wird, landet es immer öfter in den Kassen von internationalen Modeketten wie H&M oder Zara.

Hinzu kommen noch hausgemachte Probleme. Denn einige Hersteller schossen mit Plänen zum Aufbau eigener Ladenketten über das Ziel hinaus. So kündigte erst im Februar der Modekonzern Gerry Weber an, er werde gut jede zehnte seiner rund 7000 Stellen streichen und mehr als 100 der rund 1000 Filialen schließen. "Wir haben das Filialnetz zu schnell ausgebaut", räumte Vorstandschef Ralf Weber ein.

Die Hamburger Modekette Tom Tailor muss ebenfalls den Gürtel enger schnallen. Sie will in diesem Jahr voraussichtlich 80 bis 100 von 1500 Läden schließen, jedoch nur 30 neue Läden eröffnen. In der Firmenzentrale sollen rund 100 Stellen wegfallen. Für Vorstandschef Dieter Holzer steht fest: "Die Textilbranche durchläuft eine rasante Veränderung, getrieben durch die Digitalisierung und die veränderten Einkaufsgewohnheiten der Kunden." Auch bei Hugo Boss läuft es nicht mehr rund. Nach einer erneuten Gewinnwarnung verließ vor wenigen Wochen Unternehmenschef Claus-Dietrich Lahrs das Unternehmen. Der Konzern kämpft derzeit mit Problemen an mehreren Fronten: In China bleiben die Kunden aus. In den USA setzt den Schwaben der harte Preiskampf zu. Auch Hugo Boss will sein Ladennetz überprüfen.

Dass Steilmann (mehr als 8300 Mitarbeiter) Insolvenzantrag gestellt hat, kommt für die Modeindustrie nicht völlig unerwartet. "Die Branche hatte schon seit längerem besorgt nach Bergkamen geschaut", berichtete am Donnerstag das Fachmagazin "Textilwirtschaft". Schließlich war schon der Börsengang im November 2015 mehr als holprig verlaufen. So musste Steilmann die Zahl der an die Börse gebrachten Papiere von geplanten 19,5 Millionen auf 2,5 Millionen reduzieren und auch beim Preis am untersten Ende der festgelegten Preisspanne bleiben. Wenig später hatte Steilmann auch noch eine Gewinnwarnung herausgeben müssen.

Adler: Keine Auswirkungen


Steilmann verkauft seine Textilien in 18 Ländern. Wichtigster Markt ist aber Deutschland. Zusammen mit dem Investor Equinox hält der Modehersteller auch die Mehrheit an der Modekette Adler (rund 4000 Mitarbeiter). Adler erwartet durch die Insolvenz aber keine Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Adler habe keinen Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvertrag mit Steilmann und verfüge unverändert über eine mehr als ausreichende Liquidität, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Haibach (Unterfranken) mit.
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