Streik stößt sauer auf

Mit Zitronen symbolisieren streikende Flugbegleiter vor der Lufthansa-Konzernzentrale ihren Unmut. Doch nicht nur sie sind sauer auf das Unternehmen. Bild: dpa

Am Freitag ist nach sieben Tagen der Rekordstreik der Lufthansa-Flugbegleiter zu Ende gegangen. Der Arbeitskampf hat eine Menge Porzellan zerschlagen, von einer Annäherung ist nichts zu spüren - im Gegenteil. Und es könnte noch schlimmer kommen.

Pfiffe und Buhrufe gellen Lufthansa-Personalverstand Bettina Volkens entgegen. Rund 1000 Demonstranten machen ihrem Unmut über den Kurs des Unternehmens auf einer Kundgebung am Freitag am Frankfurter Flughafen Luft - viele sind Flugbegleiter, die eine Woche lang gestreikt haben. Der bislang längste und härteste Ausstand in der Geschichte der Lufthansa hat Wunden hinterlassen. Das Unternehmen muss nach 13 Pilotenstreiks weitere Millionenverluste verkraften und eventuell bald mit weiteren Aktionen rechnen. Eine Lösung des Tarifkonflikts scheint weiter entfernt denn je.

Enttäuschte Fluggäste: Noch nie hat die Lufthansa so viele Passagiere enttäuschen müssen. Mehr als eine halbe Million Gäste konnten nicht die von ihnen gebuchten Verbindungen nutzen, sondern wurden im besten Fall noch auf eine andere Gesellschaft umgebucht. Einige Unglückliche strandeten im Transitbereich des Frankfurter Flughafens und mussten auf Feldbetten übernachten. Dazu kommt noch der kaum kalkulierbare Imageverlust. Zuverlässigkeit gehören zum Markenkern der Lufthansa.

Hoher Schaden: Die Lufthansa hat ihren finanziellen Schaden zwar noch nicht beziffert, in ersten Schätzungen gegenüber der "Bild-Zeitung" sprach Personalchefin Volkens zwei Tage vor Streikende aber von einem "deutlich zweistelligen Millionenbetrag". Es kann noch deutlich mehr werden, denn Analysten rechnen über den Daumen mit 20 Millionen Euro Schaden pro Streiktag. Macht bei sieben Tagen an die 150 Millionen Euro. Die 13 Streikrunden der Piloten belasteten den operativen Konzern-Gewinn mit 350 Millionen Euro.

Keine Annäherung: Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat mitten im Arbeitskampf seinen Sparkurs bekräftigt. Dieser sei notwendig, um Investitionen in die Zukunftsfähigkeit des Konzerns auch künftig bezahlen zu können. Lufthansa wolle sein hervorragendes Personal weiterhin besser entlohnen als die Konkurrenz, könne sich aber das bisherige Niveau der Absicherung nicht mehr leisten.

Die Gewerkschaft wiederum beharrt darauf, die vergleichsweise hohen Übergangs- und Betriebsrenten der Lufthansa-Flugbegleiter auch für künftige Generationen abzusichern. Daneben gibt es eine Vielzahl von Themen aus der gescheiterten "Agenda Kabine".

Zerstörtes Vertrauen: Während des Streiks scheiterten alle Versuche, sich gemeinsam wieder an den Verhandlungstisch zu setzen. Selbst auf eine Schlichtung konnten sich die Kontrahenten nicht einigen.

Wenig Hoffnung: Auf die Frage, wie es weitergehen soll, haben beide Seiten keine befriedigende Antwort. Die Lage der Lufthansa-Kerngesellschaft habe sich wegen des angerichteten Schadens sogar verschlechtert, sagt Unternehmenssprecher Andreas Bartels, denn schließlich müssten dort die im Streik entstandenen Verluste auch wieder kompensiert werden. Die Gewerkschaft Ufo droht zum Abschluss mit neuen Ausständen: Wenn sich nichts ändert, seien jederzeit wieder Streiks möglich.
Weitere Beiträge zu den Themen: Frankfurt (2447)November 2015 (9608)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.