Streikende Lokführer lassen sich trotz möglicher Vermittlung nicht stoppen
GDL: Platzeck ein "PR-Gag"

Die Lokführer lassen sich in ihrem Streik bei der Deutschen Bahn nicht stoppen. Daran hat auch der Vorstoß von Bahnchef Rüdiger Grube nichts geändert, der am Mittwoch den SPD-Politiker Matthias Platzeck als unabhängigen Vermittler in dem festgefahrenen Tarifkonflikt vorschlug. Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, sagte zwar eine Prüfung zu. Gleichzeitig lehnte er es aber ab, wegen eines "PR-Gags" der Bahn den bis Sonntag geplanten Streik abzubrechen.

Die bei der GDL organisierten Lokführer bestreiken seit Montag den bundesweiten Güterverkehr, am Dienstag waren auch die Personenzüge hinzugekommen. Die achte Streikrunde seit September 2014 brachte den bisher längsten Ausstand im Personenverkehr.

Hotel-Züge und Ersatzpläne

Erneut mussten am Mittwoch Millionen Passagiere ihre Reisepläne ändern, die wenigen Ersatzzüge nutzen oder auf andere Verkehrsmittel umsteigen. In München und Frankfurt brachte die DB AG in der Nacht auf Mittwoch gestrandete Passagiere in abgestellten ICEs unter, die baulich unverändert zu "Hotel-Zügen" erklärt wurden. Der Logistik-Fachverband BME warnte vor volkswirtschaftlichen Schäden im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich im Streikzeitraum und für die kommenden Tage vor einer steigenden Gefahr von Produktionsausfällen in der Industrie. Den Betrieben fehle der Nachschub. Die Automobilindustrie beklagte höhere Logistik-Kosten.

Zu seinem Verfahrensvorschlag sagte Grube, auch die GDL könne "eine eigene unabhängige Persönlichkeit" in künftige Tarifverhandlungen einbeziehen. "Voraussetzung ist allerdings, dass wir mit solchen Verhandlungen sofort beginnen und der Streik augenblicklich beendet wird."

Das Angebot der Bahn war nach Angaben Weselsky bis zum Mittwochmittag noch nicht bei der GDL eingegangen. Deshalb wolle er sich auch nicht zur Personalie Platzeck, dem Ex-Ministerpräsidenten Brandenburgs, äußern. "Das ist eine unsägliche Medienkampagne der Bahn", sagte er bei einem Auftritt am Kölner Hauptbahnhof. Ein Bahnsprecher betonte, der neue Vorschlag sei rechtzeitig "an Herrn Weselsky persönlich sowie an die Tarifabteilung der GDL geschickt worden".

Nicht bereit für Schlichtung

Grube hatte erklärt, der Konzern wolle einen Dritten hinzuziehen, weil die GDL derzeit "noch nicht bereit ist, in eine Schlichtung einzutreten". Die Bahn halte eine Schlichtung unverändert für die beste Lösung. Die GDL lehnt dies ab, solange es in den Tarifverhandlungen noch um die Frage gehe, wie alle Berufsgruppen in ein Tarifwerk eingebunden werden.

"Uns geht es um Deeskalation und Befriedung der Gesamtsituation", begründete indes Grube seinen Vorstoß. "Und schon gar nicht spielen wir auf Zeit im Hinblick auf das anstehende Tarifeinheitsgesetz." Dieses Motiv hatte Weselsky schon mehrfach unterstellt. Das geplante Gesetz soll die Tarifmacht kleiner Spartengewerkschaften einschränken.

Im deutschen Schienennetz hat der Streik bislang nicht zu Engpässen geführt. Die Lage sei wie auch in den Grenzbahnhöfen "ruhig und absolut beherrschbar". Auf die Sonderpläne sei Verlass, so ein Bahnsprecher.
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