Streit mit Zulieferer
VW: Lieferstopp legt Golf-Produktion still

Bei VW (im Bild die Fertigungslinie für den Golf in Wolfsburg) stockt die Produktion. Das wird wohl noch für Wochen so sein. Archivbild: dpa

VW streitet mit einem Zulieferer vor Gericht. Worum es genau geht, ist unklar, die Episode wirft viele Fragen auf. Die Folgen sind für den Autoriesen weit mehr als nur ein kleines Ärgernis. Die Golf-Produktion am Stammwerk in Wolfsburg wird Tage stillstehen.

Wolfsburg/Braunschweig. Der Versorgungsstopp eines Zulieferers zwingt die Produktion des Modells Golf in Wolfsburg in die Knie. Laut einer internen Mitteilung hat Volkswagen seine Liefer-Partner bereits über die Schließung der Golf-Fertigung vom 20. bis 29. August informiert. Ein VW-Sprecher bestätigte dieses Schreiben am Donnerstag, über das zuerst "bild.de" berichtet hatte.

Weitere Werke betroffen


Auslöser ist der Widerspruch des Zulieferers gegen eine einstweilige Verfügung, mit der VW die Wiederaufnahme der Belieferung erzwingen will. VW leidet massiv unter dem Ausfall in seiner Teilekette: Das Passat-Werk in Emden hat schon Kurzarbeit angemeldet. In Kassel Zwickau und Braunschweig droht - zumindest in Teilen - Stillstand. Betroffen von den Getriebeengpässen ist der Golf. Details nennt VW nicht. Ohne das fehlende Teil könne VW Getriebe nicht ausliefern, sagte Heiko Hillwig, der Sprecher des auf die Fertigung von Getrieben spezialisierten Werks Kassel. VW prüfe derzeit, ob dieses Teil auch von anderen Zulieferern bezogen werden könne. Bei den Töchtern Porsche und Audi läuft einem Sprecher zufolge die Produktion ohne Einschränkung.

Der Teilehersteller selbst wollte sich am Donnerstag nicht zu den Hintergründen äußern. "Unsere Unternehmensgruppe befindet sich in einer juristischen Auseinandersetzung mit Volkswagen und ist in diesem Zusammenhang auch zur Vertraulichkeit verpflichtet", sagte Alexander Gerstung aus der Geschäftsführung des Zulieferers ES Automobilguss in Schönheide (Sachsen). Das Unternehmen gehört zur Prevent-Gruppe und stellt unter anderem sogenannte Ausgleichgetriebegehäuse her. Zur Prevent-Gruppe gehört auch eine Schwesterfirma des Zulieferers, die für VW Sitzbezüge herstellt. Gegen sie habe der Autobauer schon einen wirksamen Vollstreckungstitel, sagte ein Gerichtssprecher am Donnerstag. Bei dem Getriebeteil-Zulieferer sei das aber noch nicht der Fall.

Der unterschiedliche Ablauf der beide Fälle hängt an verschiedenen Verfahrenswegen: Beim Sitzbezügelieferanten verhandelte das Gericht gleich mündlich und fällte ein Urteil zu der Verfügung, daher ist in diesem Fall nur das Rechtsmittel Berufung vor dem Oberlandesgericht möglich. Bei den Getriebeteilen lief es anfänglich ohne eine mündliche Verhandlung, was einen Widerspruch erlaubte, der nun eine mündliche Verhandlung am Landgericht Braunschweig am 31. August nach sich zieht.

Hintergründe unklar


Fraglich ist, was den Streit derart eskalieren ließ, dass die Lage nun so verfahren ist. Hintergrund des Konfliktes ist nach dpa-Informationen aus Justizkreisen ein gescheitertes Projekt mit dem Sitzteil-Zulieferer aus Sachsen. Genauere Hintergründe sind unklar.
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