Streit um die letzte Meile

Beim Ausbau breitbandiger Netzverbindungen in Deutschland prallen die Interessen aufeinander. Die Telekom verteidigt ihr Kupferdraht-Konzept, die Wettbewerber setzen auf Glasfaser. Bild: dpa

Beim Ausbau von Breitbandinternet in Deutschland ziehen viele Unternehmen an einem Strang - allerdings nicht in dieselbe Richtung. Die Telekom verteidigt ihr Vectoring-Konzept, die Wettbewerber halten dagegen und bekommen Unterstützung von der Monopol-Kommission.

Die Kontroverse um den Einsatz der umstrittenen Vectoring-Technologie der Deutschen Telekom beim Ausbau des Breitbandnetzes in Deutschland spitzt sich zu. Am Montag erklärte die Monopolkommission, sie befürchte wegen des Einsatzes der Technik eine zu große Marktmacht der Telekom in Teilen des Netzes.

Angst vor Monopol

Es bestehe die Gefahr, dass es der Bundesnetzagentur nicht gelinge, hier ein Monopol der Telekom im Nahbereich um die Hauptverteiler der sogenannten letzten Meile zu verhindern. Das sagte Daniel Zimmer, Vorsitzender der Monopolkommission, bei der Vorstellung eines Sondergutachtens in Bonn. Die Monopolkommission ist ein Beratergremium der Bundesregierung aus Wissenschaftlern.

Der Deutschland-Chef der Telekom, Niek Jan van Damme, wies die Kritik zurück. Ziel der Telekom sei es, möglichst vielen Menschen einen schnellen Internetzugang zu bieten. "Und auch deshalb treiben wir den Vectoring-Ausbau voran. Dieser Ausbau ist um den Faktor 5 schneller und den Faktor 10 günstiger als ein reiner Glasfaser-Ausbau." Die Telekom werde noch im Dezember 1,4 Millionen Haushalte in Deutschland vectoringfähig machen. Im Jahr 2015 seien insgesamt rund 4,6 Millionen Haushalte für Vectoring-Verbindungen vorbereitet worden.

Die Bundesnetzagentur hatte unlängst als Regulierungsbehörde in einem Entwurf empfohlen, der Deutschen Telekom unter bestimmten Bedingungen den Ausschluss von Wettbewerbern zu gestatten, um mit der Vectoring-Technologie schnellere DSL-Internetanschlüsse anbieten zu können. Bei einer Umsetzung des Entwurfs drohe eine Zementierung der bestehenden Marktbedingungen, sagte Zimmer.

Glasfaser "tot"

Der Geschäftsführer des Verbandes der Telekom-Wettbewerber VATM, Jürgen Grützner, hatte kritisiert, das günstige Vectoring nehme dem Glasfaser-Ausbau in den betroffenen Regionen die wirtschaftliche Perspektive: "In diesen Bereichen ist die Glasfaser tot." Telekom-Manager van Damme meinte dagegen, die von der Telekom bevorzugte Technik verhindere nicht den Glasfaser-Ausbau. "Was für ein Unsinn", sagte van Damme in einer auf dem Twitter-Streamingdienst Periscope übertragenen Erklärung. Die Deutsche Telekom habe im Zuge des Vectoring-Ausbaus 2015 schon 10 000 Kilometer Glasfaser verlegt. "Eine Strecke von Berlin bis nach Rio de Janeiro."
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