Strom: Kleiner Preisrückgang

Vielerorts sinken mit Beginn kommenden Jahres die Strompreise. Bild: dpa

Anfang 2015 senken viele Stromversorger die Preise - nach 14 Jahren Preisanstieg. 35 Euro können Familienhaushalte damit im Jahr sparen. Endlich die Trendwende - oder "zu spät und zu wenig", wie Kritiker meinen?

Nach Angaben des Preisvergleichsportals Verivox haben 205 Stromversorger zum Jahresbeginn 2015 Preissenkungen im Schnitt um 2,4 Prozent angekündigt (Stand 19. November), Konkurrent Check 24 hat 179 Preissenkungen (Stand 20. November) im selben Umfang erfasst. Zu den Versorgern, die eine Senkung angekündigt haben, gehören unter anderem auch die Rewag (Regensburg) sowie die Stadtwerke Amberg.

Bis zu 35 Euro im Jahr

Der Verbraucherstrompreis liegt derzeit im Bundesschnitt bei knapp über 29 Cent pro Kilowattstunde. 30 bis 35 Euro im Jahr kann ein vierköpfiger Durchschnittshaushalt im Grundversorgungstarif nach Angaben der Tarifportale sparen. Doch mit rund 200 der insgesamt 850 Grundversorger gibt lediglich bisher gerade mal ein Viertel der Branche Preissenkungen von der Strombörse an die Verbraucher weiter. Außerdem halten sich die Marktführer Eon, zu dem auch die Bayernwerk AG gehört, und RWE genauso zurück wie Vattenfall. "Wir rechnen noch", sagt ein RWE-Sprecher auf Nachfrage. "Eon hält den Strompreis stabil", sagt eine Eon-Sprecherin. "Ist noch nicht entschieden", heißt es bei Vattenfall. Preisveränderungen müssen den Kunden sechs Wochen vor Inkrafttreten - für Anfang 2015 also bis zum 20. November - mitgeteilt werden.

Die Beschaffungspreise an der Strombörse sind in den vergangenen zwei Jahren von mehr als 50 auf nur noch 32 Euro (Spotpreis) pro Megawattstunde gefallen. Hinzu kommen stabile oder sogar leicht gesunkene staatliche Abgaben. Die NRW-Verbraucherzentrale hat seit 2010 einen Rückgang allein des Börsenstrompreises um mehr als zwei Cent pro Kilowattstunde errechnet. Um annähernd zwei Cent müssten dann auch die Verbraucherpreise nachgeben, fordert Energieexperte Udo Sieverding. Davon ist die Branche aber weit entfernt. Die durchschnittliche Preissenkung von 2,4 Prozent - bei denen, die überhaupt senken - entspricht laut Verivox nur 0,7 Cent Entlastung.

Geschäft läuft schlecht

Hintergrund für die Zurückhaltung der Konzerne ist aus Sicht von Marktbeobachtern das maue Geschäft: Viele Unternehmen verdienen mit der Stromerzeugung kaum noch Geld. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer fordert trotzdem, dass auch die privaten Verbraucher von den gesunkenen Börsenstrompreisen profitieren müssten. Der Branchenverband BDEW teilte hingegen mit, die niedrigere EEG-Umlage bringe nur einen geringen Entlastungseffekt. Zugleich erfordere der Ausbau der Netze höhere Netzentgelte, die ebenfalls auf den Endpreis aufgeschlagen werden.

Die eigene Reaktion haben die Verbraucher in der Hand: Sie können den Anbieter wechseln. Vor allem das Verlassen der Grundversorgungstarife kann Einsparungen von mehreren Hundert Euro im Jahr bringen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.