Stromkonzern Tennet sorgt sich um Stromversorgung in Bayern: Rendite sorgen für hohe Gewinne
Neue Stromtrassen: Rendite von 9,05 Prozent garantiert Finanzinvestoren einen stattlichen Gewinn

Zum Bericht "Netzbetreiber warnt vor Stromlücke in Bayern":

Und mir kommen die Tränen. Der Geschäftsführer des staatlichen niederländischen Stromkonzerns Tennet, Lex Hartman, sorgt sich um die Stromversorgung der Bayern. Damit begründet er seine vehemente Forderung nach dem weiteren Netzausbau in Deutschland. Zugleich warnt er vor extremer Verteuerung des Stroms.

Tennet ist einer der vier Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB), die den deutschen Strommarkt unter sich aufgeteilt haben. Ein weiterer ist Amprion, der die Gleichstrompassage Süd-Ost bauen will. Beide leben davon, Strom möglichst preiswert zu transportieren und möglichst teuer zu verkaufen.

Dass der Netzbetreiber plötzlich zum Sozialverband geworden ist, der sich um zu hohe Strompreise in Bayern oder einen Blackout sorgt, verwundert mich.

Ich denke eher, dass er sich um seine Umsätze in Deutschland sorgt, denn wenn die Stromnetze in Deutschland nicht im geplanten Maße neu gebaut oder verstärkt werden, kann nicht so viel Strom transportiert und verkauft werden, auch nicht ins Ausland. Außerdem können Tennet und Amprion dann auch nicht am Bau selbst Geld verdienen und nicht die garantierte Rendite von 9,05 Prozent der Ausbaukosten zusätzlich jährlich kassieren.

Mit diesen 9,05 Prozent hat es eine seltsame Bewandtnis, damit sollen Inverstoren einen finanziellen Anreiz erhalten, in neue Stromnetze zu investieren. An Amprion zum Beispiel, einer ehemaligen RWE-Tochter, sind zu 75 Prozent Finanzinverstoren aus der Versicherungswirtschaft beteiligt, unter anderem Talanx, die Münchner Rück und Swiss Life.

Was man im Zeitungsbericht nicht lesen kann, ist die Aussage Hartmans, man (= die Übertragungsnetzbetreiber) habe den tatsächlichen Bedarf für die beiden Gleichstromleitungen in Deutschland nicht so genau berechnet. Am 14.10.2014 sagte er dem Bayerischen Rundfunk (O-Ton): "Wir haben nicht exakt berechnet, aber wir haben schon berechnet ...". Ich nehme mal stark an, dass nach der Formel "Pi mal Daumen" gerechnet wurde, denn diese Formel ist ja zumindest deutschlandweit der Garant für fast exakte Berechnungen.

Die Aufteilung des deutschen Strommarktes in einen billigen Norden und einen teuren Süden hat schon vor kurzem EU-Energiekommissar Oettinger verneint. Der "Spiegel" nimmt seine diesbezügliche Falschmeldung jedoch nicht zurück.

Vor diesem Hintergrund treten die wahren Beweggründe des "Gutmenschen" Hartman doch etwas klarer zutage und wirken die Damoklesschwerter "Blackout" und "Strompreisexplosion" nicht mehr ganz so bedrohlich.

Maria Estl, 95704 Pullenreuth

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