Studie: Gaspreise haben Luft nach unten

Bislang hat rund ein Zehntel der Gasversorger in Deutschland Preissenkungen angekündigt. Ob weitere folgen werden, ist noch unklar. Archivbild: dpa

Die fallenden Ölpreise sind beim Verbraucher angekommen, sinkende Gaspreise aber nicht. Nach einer Studie im Auftrag der Grünen liegt der Spielraum für Preissenkungen im nächsten Jahr bei acht bis zehn Prozent.

Laut einer Studie im Auftrag der Grünen gingen die Gaspreise im europäischen Großhandel von 2,71 Cent im Jahr 2013 auf 2,14 Cent im zweiten Halbjahr 2014 zurück. Dagegen habe das Preisniveau bei den privaten Verbrauchern nur geringfügig nachgegeben. Sie zahlten 2014 im Durchschnitt 6,52 Cent je Kilowattstunde, verglichen mit 6,57 Cent im Vorjahr, heißt es in der am Dienstag in Berlin veröffentlichten Studie.

1,24 Milliarden Euro

"Da andere Kostenelemente wie Netzentgelte, Steuern oder Abgaben unverändert waren, gab es offenbar eine beträchtliche Margenausweitung bei den Gasanbietern", sagte Steffen Bukold, Autor der Studie und Inhaber eines Beratungsunternehmens. Nach seinen Berechnungen sind die Margen im Durchschnitt um 0,45 Cent je Kilowattstunde gestiegen. Das summiere sich insgesamt auf einen Betrag von rund einer Milliarde Euro, der in die Taschen der Gaswirtschaft geflossen sei. Die nicht verwirklichte Entlastung für die privaten Haushalte falle mit 1,24 Milliarden Euro höher aus, weil noch die Mehrwertsteuer dazukomme.

Unklar ist allerdings, wo die Zusatzgewinne aus sinkenden Einkaufspreisen landen. Das kann bei den regionalen und überregionalen Gasversorgern, Gashändlern oder Stadtwerken sein. Grund ist die komplexe Struktur der Versorgung in Deutschland. Die Lieferbeziehungen sind teils in langfristigen Verträgen geregelt, teils versorgen sich die Unternehmen über kurzfristige Lieferungen. Deshalb sind auch die Preise unterschiedlich. Von den rund 780 Gasversorgern sind 590 im Besitz von Kommunen. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) verwies am Dienstag auf die unterschiedlichen Einkaufsstrategien der Versorger. "Allen Auftragsstudien und Durchschnittsbetrachtungen zum Trotz gilt zudem: Die Gaspreise bilden sich im Wettbewerb", erklärte ein Verbandssprecher. Die Verbraucher hätten die Wahl zwischen zahlreichen alternativen Erdgastarifen und Anbietern. Davon machten sie auch zunehmend Gebrauch, wie die steigende Wechselquote zeige. Sie liege derzeit bei 27,6 Prozent.

Über Wechsel nachdenken

Verbraucher können nun darauf hoffen, dass die Gaspreise im nächsten Jahr sinken. Rund ein Zehntel der Versorger hat bereits Senkungen angekündigt, im Durchschnitt um gut fünf Prozent. Den Spielraum beziffert Bukold auf acht bis zehn Prozent. "Es ist gut, dass bereits einige Gasversorger mit der Senkung der Preise angefangen haben", sagte die Grünen-Abgeordnete Bärbel Höhn. "Das erhöht den Druck auf die anderen Versorger, die erst einmal abwarten wollen." Wenn nicht im Laufe der nächsten Monate eine Preissenkung angekündigt wird, sollte man einen Wechsel seines Versorgers in Betracht ziehen.
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