Süddeutsche Butter- und Käse-Börse in Kempten legt Preise fest
Damit es läuft wie geschmiert

Clemens Rück ist der Geschäftsführer der Süddeutschen Butter- und Käse-Börse in Kempten. Bild: dpa

Kempten. Das Auf und Ab an der Börse kennt Clemens Rück nur zu gut. Schließlich sind Notierungen sein Hauptgeschäft. Statt mit Wertpapieren beschäftigt sich der Allgäuer allerdings mit weitaus schmackhafteren Dingen wie Butter und Käse. Rück ist Geschäftsführer der Süddeutschen Butter- und Käse-Börse in Kempten. Der Zusammenschluss von Produzenten und Händlern ermittelt wöchentlich für ganz Deutschland, wie teuer Butter und Käse sind. "Es handelt sich um eine unabhängige Institution, die den Marktpreis feststellt und versucht, Trends zu erkennen", sagt Rück.

Gegründet wurde die Börse vor 95 Jahren. Damals gab es eine undurchsichtige Preissituation für Käsehändler und Käseproduzenten - und damit auch für die vielen Milchbauern. "Es gab kein Vertrauen mehr untereinander", sagt Rück. 1921 brachte der damalige Kemptener Oberbürgermeister Otto Merkt Produzenten und Händler an einen Tisch, um gemeinsam einen Preis festzulegen und für alle Marktteilnehmer eine Orientierung zu schaffen. Das war die Geburtsstunde der Käse-Börse, die als Verein geführt wird. Nach Angaben des bayerischen Landwirtschaftsministeriums wurde nach der Auflösung der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle in Bonn die Marktberichterstattung 2011 neu geregelt. Seitdem ist die Kemptener Börse für die bundesweite Notierung und Preisermittlung für Butter, Pulver und verschiedene Käsesorten zuständig. Für Gouda und Edamer erfolgt die zentrale Notierung seit 2011 in Hannover.

Transparenz am Markt


Die ermittelten Mengen und Preise sorgen für Markttransparenz, erklärt ein Sprecher des Ministeriums. "Die erhobenen Daten sind darüber hinaus Grundlage für die von der EU vorgeschriebenen Preismeldungen an die Kommission." Eine ähnliche Notierungsstelle gebe es in München für Getreide.

Milch- und Molkepulver, Butter, Emmentaler und Limburger Käse: Um diese Massenprodukte geht es, wenn sich Börsengeschäftsführer Rück und die anderen Mitglieder der Notierungskommission per Telefonkonferenz zusammenschalten. Jeden Mittwoch ist das der Fall. Die Kommission besteht - je nach Produkt - aus acht bis zwölf amtlich bestellten Mitgliedern und ist mit jeweils gleich vielen Vertretern von Molkereien und Händlern aus ganz Deutschland besetzt. Als Grundlage dienen Zahlen, die jede Woche von den Großproduzenten gemeldet werden. Je nach Produkt sind das bis zu 25 Molkereien, sagt Rück. Die Meldung erfolge freiwillig, die Zahlen gehen anonym in die Statistik ein. Erfasst wird, in welcher Menge und zu welchem Preis die jeweiligen Produkte in der Vorwoche von den Molkereien an den Handel verkauft wurden. "Aus der Statistik legen wir einen Trend und einen Preiskorridor fest, der dem Markt als Orientierung dient", erklärt Rück. Bindend sei die Preisspanne allerdings nicht.

"Zur Zeit wird im Vergleich zur Nachfrage weltweit zu viel Milch produziert", sagt Rück. "Dadurch sinkt der Preis." Wann er wieder steigen wird, kann auch der Fachmann nicht abschätzen. Unvorhersehbare Entwicklungen wie etwa das Russland-Embargo machen die Lage für die Milchbauern schwierig. Die Milchpreise sind im Keller. Die Bauern befürchten ein länger andauerndes Tief und verlangen einen größeren Anteil an den Lebensmittelpreisen im Supermarkt.

Basis für Verhandlungen


Die unabhängige Notierung in Kempten sei für die Erzeuger aber "sehr wertvoll", sagt Alfred Enderle, Milchbauer aus dem Oberallgäu und schwäbischer Bezirkspräsident des Bauernverbands. "Wir beobachten die Daten sehr aufmerksam, weil sie Rückschlüsse auf die gesamte Marktlage zulassen." Zudem könne der Bauer dadurch abschätzen, was aus seiner Milch erlöst werden kann. "Mit diesen Informationen kann man in Verhandlungen treten."

Nicht nur im Inland besteht laut Rück Interesse an den Notierungen und dem Butter- und Käse-Lagebericht. "Das Preisgefüge in Deutschland ist weltweit von Bedeutung. Wir können auf unserer Internetseite Zugriffe bis aus Neuseeland und Südamerika nachverfolgen."
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