Sulzbach-Rosenberg: Dr. Martin Geier entwickelt Mückenfalle
Die Hoffnung der Tropen

So sehen sie aus, die Mückenfallen: Wahlweise mit (rechts im Bild) oder ohne Kohlensäure-Flasche) locken die in Regensburg entwickelten Duftstoffe die Plagegeister an. Bild: hfz

Sulzbach-Rosenberg. (ge) Der hat seine Mucken: Das sagt man gemeinhin über etwas seltsame Menschen. Ein Musterbeispiel für einen, dessen Leben sich zwar komplett um "Mucken" dreht, der aber trotzdem ein bodenständiger Sulzbach-Rosenberger blieb, ist Dr. Martin Geier.

Der Zoologe hat eine Firma aufgebaut, die Mückenfallen entwickelt. Mit großem Erfolg - und zum Leidwesen der Plagegeister.

Man sieht ihn des Öfteren im Fernsehen, und zwar auf allen Kanälen, den gebürtigen Rosenberger Martin Geier. "Jeden Sommer stehen die TV-Teams bei uns Schlange", erklärt der Wissenschaftler im Gespräch. Das Thema Mücken kocht immer wieder hoch in der heißen Jahreszeit, dann führen die Recherchen der Medien in schöner Regelmäßigkeit nach Regensburg zur Firma Biogents, den weltweit anerkannten Kapazitäten.

Gegen Blutsauger

Dort steht der Wissenschaftler und Firmen-Vorstand Martin Geier dann vor der Kamera Rede und Antwort, erklärt, wie und an was sich Mücken orientieren, wie man sie los wird und warum die Geschichte vom "süßen Blut" eine Fabel ist. Schon an der Uni Regensburg faszinierten die Stechmücken den Absolventen des Amberger Erasmus-Gymnasiums. 2002 machte er sich mit einem früheren Forschungskollegen und zwei an der Uni entwickelten Patenten selbstständig. Ihre Firma Biogents entwirft und produziert mit ihren 14 Mitarbeitern Fallen für Stechmücken und andere blutsaugende Insekten, unterstützt und berät beim biologischen Stechmücken-Management. "Biogents erforscht und entwickelt auch im Kundenauftrag Abwehrmittel gegen Insekten", umreißt der Zoologe die Geschäftsfelder.

Verhalten der Krankheitsüberträger

Die Grundlagen für seine Arbeit entstanden schon an der Uni: "Wie findet eine Stechmücke ihr Opfer und was hält sie davon ab?" Dr. Martin Geier und einige seiner Kollegen am Institut für Zoologie der Universität Regensburg analysierten über zwölf Jahre verschiedenste Duftquellen und Substanzen, beobachteten das Verhalten von Stechmücken in unterschiedlichen Versuchsaufbauten und Umgebungen. Sie klärten nach und nach wichtige Schlüsselfaktoren auf und verstanden damit das Verhalten dieser gefährlichen Krankheitsüberträger immer besser.

Praxis als Motiv

Motivation dieser Untersuchungen war immer die praktische Anwendung der Forschungsergebnisse: bessere Methoden zu entwickeln, um Stechmücken gezielt, umweltbewusst und intelligent zu bekämpfen. Forschung und Entwicklung bleiben aber zentrale Tätigkeiten von Biogents: "Unsere Wissenschaftler und Techniker entwickeln und verbessern fortwährend die Produkte", erläutert der Forscher die Philosophie. Schließlich ist Biogents international tätig. 5000 Mückenfallen, betrieben mit Solar-Panels, stehen zum Beispiel derzeit für eine Studie in Kenia. Ziel ist es, die Bestände von Mückenarten, die Krankheiten übertragen, deutlich zu reduzieren.

Zwei unterschiedliche Methoden

Dazu bedienen sich die Forscher zweier Methoden, einzeln oder kombiniert: Fallen mit Kohlensäure, die menschlichen Atem simulieren, oder spezielle Haut-Cocktails locken die Arten gezielt an - viel effektiver und gezielter als etwa eine Lichtquelle. Wie genau, das ist Betriebsgeheimnis. Vor allem funktioniert alles komplett ohne Chemie: patentierte Fallen für Stechmücken und andere Blutsauger also. Deswegen wird zum Beispiel auch derzeit die Wirksamkeit der Biogents-Fallen bei der Bekämpfung von Dengue-Fieber untersucht. Ein wichtiges Projekt, unterstützt von der Weltbank, der Bill- & Melinda-Gates-Stiftung und staatlichen Stellen in Brasilien.

Preis von Bill Gates

Von der Stiftung und der Weltbank erhielt Biogents übrigens 2007 einen stattlichen Preis, das Geld floss in ein Projekt gegen Dengue-Fieber in Brasilien. "Unser Zielobjekt ist hauptsächlich die Asiatische Tigermücke, die sich auch in Mitteleuropa auszubreiten beginnt", schildert Martin Geier. Konventionelle Mittel wie Insektizide sind oft unpraktisch oder sogar gefährlich. Für die Tropen und Subtropen sowie Asien und Amerika stellen die Fallen aus der Regensburger Entwicklung also eine wichtige Hilfe im Kampf gegen Epidemien dar. Martin Geier hat bei den Mücken keine Freunde.
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