Sumpf ohne Boden

Mit einem Transparent, auf dem das VW-Logo und die Aufschrift "Das Problem" zu sehen war, protestierten auf der IAA 2011 Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Sie monierten damals die ihrer Meinung nach zu wenig verbraucherfreundlichen Maßnahmen für den Umweltschutz des Konzerns. Archivbild: dpa

Der VW-Abgasskandal ist keine reine Diesel-Affäre mehr - auch Tausende Wagen mit Benzinmotor sind betroffen. Die Bundesregierung will aber verhindern, dass Autofahrer draufzahlen müssen.

Unter den 800 000 Fahrzeugen mit falschen Kohlendioxid-Werten bei Volkswagen sind nach Angaben von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt auch 98 000 Benziner. Das habe der Konzern mitgeteilt, sagte der CSU-Politiker am Mittwoch im Bundestag. Wenn CO2-Werte nach oben korrigiert werden müssten, habe dies Auswirkungen auf die Kfz-Steuer, sagte Dobrindt. "Das gilt auch rückwirkend." In Abstimmung mit dem Bundesfinanzministerium arbeite sein Ressort daher "an einer Gesetzgebung, die dafür sorgt, dass nicht der Kunde durch diese Mehrkosten bei der Kfz-Steuer belastet wird, sondern der Volkswagen-Konzern."

Offensichtlich seien von VW Maßnahmen ergriffen worden, die die Verbrauchswerte "nach unten verfälscht" hätten, sagte Dobrindt. Auch für die laufende Serie der aktuellen VW-Pkws seien nun Nachprüfungen angeordnet worden. CO2-Werte würden auch bei den bereits zu Beginn des Abgasskandals eingeleiteten Nachkontrollen des Kraftfahrtbundesamts (KBA) bei etlichen in- und ausländischen Fahrzeugen erhoben. Auf die Frage, warum dem KBA die höheren Werte nicht schon früher aufgefallen sind, antwortete am Mittwoch ein Sprecher des Amts: "Da befinden sich die Kollegen in einer Phase des Erkenntnisgewinns." Die Messungen des CO2-Ausstoßes würden von externen technischen Diensten durchgeführt. Dazu gehören unter anderem TÜV und Dekra. Von welchem Dienstleister die Gutachten zu den betroffenen Modellen erstellt wurden, konnte der KBA-Sprecher nicht sagen.

Strafen der EU möglich

Bisher ging es in der Abgas-Affäre, die Mitte September bekannt wurde, nur um Manipulationen bei Werten für Stickoxid (NOx). CO2 ist zwar unschädlich für den Menschen, aber zugleich das bedeutendste Treibhausgas und wesentlich für die menschengemachte Erderwärmung verantwortlich. Die CO2-Grenzwerte sind in der EU in den vergangenen Jahren nach schwierigen Verhandlungen verschärft worden. Wegen der CO2-Falschangaben könnten dem Autokonzern EU-Strafen drohen. Bevor die EU-Kommission über mögliche Geldbußen entscheide, müssten aber erst die Fakten geklärt werden, erklärte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde am Mittwoch.

An der Börse reagierte die VW-Aktie mit einem Kursverfall. Das Papier sackte an der Frankfurter Börse um mehr als neun Prozent ab.
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