Tarifkonflikt bei der Post eskaliert: Verdi kündigt weitere Warnstreiks an
Leere im Briefkasten

Die Zeichen stehen auf Sturm.
Nach einem Abbruch der Tarifverhandlungen bei der Post über kürzere Arbeitszeiten droht eine Ausweitung des Arbeitskampfes. Die Tür zu Verhandlungen ist zwar nicht zugeschlagen, aber kurzfristig stehen weitere Warnstreiks der Zusteller bevor. Die Gewerkschaft Verdi kündigte bundesweite Maßnahmen an. "Die Zeichen stehen auf Sturm", erklärte Verhandlungsführerin Andrea Kocsis. Den genauen Zeitpunkt von Streiks will Verdi kurzfristig mitteilen.

In der vierten Tarifrunde lehnte die Gewerkschaft ein neues Angebot der Arbeitgeber als unzureichend ab. Das Unternehmen sei nicht bereit, die Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich zu verkürzen. "Mit ihrem Angebot verschärft die Post den Tarifkonflikt. Das werden die Beschäftigten nicht hinnehmen", sagte Kocsis. Über den weiteren Fortgang der Tarifauseinandersetzungen soll jetzt die Tarifkommission entscheiden. Wird das Scheitern der Verhandlungen erklärt, sind Urabstimmung und mehrtägige Streiks nicht mehr ausgeschlossen.

Mit Unverständnis reagierte unterdessen die Post auf die ablehnende Haltung der Gewerkschaft. "Wir haben aus unserer Sicht ein sehr solides Angebot vorgelegt und sind enttäuscht, dass dieses in Bausch und Bogen zurückgewiesen wurde", sagte die Personalchefin des Konzerns, Melanie Kreis. Das Management hatte unter anderem angeboten, den Kündigungsschutz um drei Jahre bis Ende 2018 zu verlängern und den 24. und 31. Dezember wieder als arbeitsfreie Tage einzuführen. Daraus ergebe sich insgesamt eine Stunde weniger Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich.

Die Gewerkschaft fordert eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 36 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Die Post lehne es ab, zu einer Einigung im Gesamtpaket zu kommen, erklärte Kocsis. So soll es im kommenden Jahr keinen Schutz mehr gegeben vor Fremdvergabe bei der Zustellung. Mittelfristig wolle das Unternehmen so die Voraussetzungen dafür schaffen, den Konzern "in Billiggesellschaften zu zerlegen". Diese Einschätzung wies Kreis entschieden zurück. Die Aussagen von Verdi seien irreführend. "Wir wollen Sicherheit und Schutz für die Postmitarbeiter stärken", sagte sie der "Bild"-Zeitung (Montag) und sprach von "absurd hohen Forderungen".
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