Tarifstreit bei der Post: Stimmung vergiftet

Auch heute werden Kunden vergeblich auf Postsendungen warten. Bild: dpa

Wieder Streiks bei der Post: Verdi will mit mehr Druck den Arbeitgeber zum Einlenken zwingen. Die Gewerkschaft wirft der Post zugleich vor, Beamte als Streikbrecher einzusetzen. Eine Lösung des Tarifstreits ist nicht in Sicht.

Im Tarifkonflikt bei der Post wird die Stimmung immer gereizter. Nachdem Verdi angebliche Einschüchterungsversuche gegen Streikende scharf gerügt hatte, warf die Gewerkschaft dem Management jetzt vor, systematisch Beamte als Streikbrecher eingesetzt zu haben. Nach Angaben eines Verdi-Sprechers soll es in den vergangenen Wochen weit mehr als 100 solcher Fälle gegeben haben. Die Post müsse die rechtswidrige Praxis sofort unterbinden, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende, Andrea Kocsis.

Vorwurf zurückgewiesen

Das Unternehmen wies die Anschuldigungen zurück. Die Post beachte die geltenden rechtlichen Regeln und prüfe in jedem Einzelfall, ob ein Beamter während einer Arbeitskampfmaßnahme auf einem anderen Arbeitsplatz eingesetzt werden dürfe, sagte eine Unternehmenssprecherin. Den Vorwurf, das Unternehmen habe Streikenden mit Jobverlust gedroht, hatte die Post schon zuvor mit dem Hinweis auf "Rufschädigung" weit von sich gewiesen.

Unterdessen verschärft die Gewerkschaft ihre Gangart. So folgten nach Angaben von Verdi in Bayern rund 2000 Zusteller dem Streikaufruf. Mit einer ähnlichen Teilnehmerzahl rechnet Verdi auch an diesem Samstag. Aus Sicht der Deutschen Post halten sich die Auswirkungen der Warnstreiks in Grenzen. Von den rund 3,8 Millionen Paketen und Päckchen würden am Freitag mehr als 95 Prozent wie erwartet zugestellt werden können, teilte das Unternehmen mit. Bei den Briefsendungen sollen 1,5 Millionen von insgesamt 64 Millionen täglich den Empfänger verspätet erreichen.

Verdi: Vertragsbruch

Hintergrund der Streiks ist der Aufbau eines Paketzustellernetzes durch die Gründung von 49 Gesellschaften. Dort arbeiten bereits mehr als 6000 Menschen, darunter viele ehemals befristet Beschäftigte der Post. Bezahlt werden sie aber zu niedrigeren Löhnen.

Verdi sieht in dem Vorgehen einen Vertragsbruch und fordert für 140 000 Beschäftigte als Ausgleich eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeiten von 38,5 auf 36 Stunden mit vollem Lohnausgleich.
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