Tausende weitere Jobs in Gefahr
Versorger ziehen Sparschraube an

Von der Energiewende kräftig gebeutelt, versuchen die großen Versorger in Deutschland, unter anderem mit Stellenabbau aus der Krise zu kommen. Archivbild: dpa

Tausende Jobs sind bei Eon, RWE und Co seit Beginn der Energiewende schon weggefallen. Jetzt steht eine neue Kürzungswelle an. Besonders hart dürfte es die Kraftwerkssparte treffen.

Essen/Düsseldorf. In der Energiewirtschaft steht eine neue Sparwelle mit weiterem Stellenabbau an. Angesichts der anhaltend niedrigen Börsenstrompreise wollen die Unternehmen noch mal die Kosten reduzieren. Hinzu kommen aus Sicht der Unternehmen die drohenden Milliarden-Zusatzausgaben für den "Risiko-Zuschlag" beim Atom-Ausstieg.

RWE hat bereits Vorgespräche mit den Gewerkschaften über erhebliche Kürzungen des Haustarifs geführt und beruft sich dabei auf den "Krisenparagrafen", der bei "wirtschaftlichen Schwierigkeiten" auch vorzeitige Gespräche vor Ende der Laufzeit erlaubt. "Arbeitgeber fordern minus 25 Prozent - Nein! Nicht mit uns!", protestierte die Gewerkschaft IG BCE Ende Mai auf einem Flugblatt.

"Angespannte Stimmung"


Während RWE sich nicht zu den Inhalten der Gespräche äußern will, trommelt die Gewerkschaft gegen mögliche Einschnitte etwa beim Weihnachtsgeld, bei Zulagen und beim Urlaub. Über Jahre erstrittene Leistungen dürften nicht wegen der kurzfristigen Strommarktkrise über Bord geworfen werden, sagte ein Sprecher. Bisher herrschte laut Teilnehmern eine "angespannte" Stimmung. Dabei sei noch keineswegs klar, ob RWE sich auf eine besondere Notlage berufen und vorzeitig über die Absenkung tariflicher Leistungen verhandeln könne, sagt der Verdi-Funktionär Hans-Peter Lafos, der auch im RWE-Aufsichtsrat sitzt. Eigentlich läuft der Tarifvertrag noch bis zum Jahresende.

Auch die neue Eon-Kraftwerksgesellschaft Uniper will Personalkosten reduzieren. Am Freitag endete ein Gespräch der Arbeitgeber mit den Gewerkschaften Verdi und IG BCE über die Kürzung tariflicher Leistungen ergebnislos. Ein neuer Termin wurde zunächst nicht vereinbart. "Wir sehen keine Veranlassung für Verhandlungen", hieß es von Verdi.

EnBW hat radikal auf die Dauerkrise der Branche reagiert: Die Karlsruher ziehen sich aus dem Großkundengeschäft mit Strom und Gas zurück, weil es kaum mehr profitabel sei. Rund 400 Stellen sollen abgebaut werden, nach Medienberichten könnten sogar noch mehr Jobs betroffen sein. Vattenfall hat ebenfalls einen Stellenabbau angekündigt, ohne genaue Zahlen zu nennen. Der schwedische Staatskonzern will sich in Deutschland mit dem Verkauf seiner Braunkohle an die tschechische EPH-Gruppe ohnehin verkleinern.

Beim RWE-Konzern, der noch immer mehr als die Hälfte seines Stroms mit Kohle erzeugt, sieht es besonders schlecht aus. Dass das Unternehmen im Rheinischen Revier in den nächsten Jahren bis zu 1000 Arbeitsplätze abbaut, weil fünf Braunkohle-Blöcke in die Klima-Reserve überführt werden, ist bekannt. Wegen des dauernden Marktdrucks und Umorganisationen im Braunkohlerevier soll jetzt die Zahl auf 1600 Stellen im Rheinland bis 2020 und insgesamt 2300 Stellen inklusive Niederlande und Großbritannien steigen.

Besetzung ohnehin knapp


Weiterer Stellenabbau in der Stromerzeugung ist dabei für RWE arbeitstechnisch schwer umzusetzen. In den Kraftwerken sei die Besetzung knapp, es würden reihenweise Überstunden geschoben, heißt es aus Konzernkreisen. Wenn noch einmal Jobs abgebaut werden müssten, könne das sogar die Schließung eines Braunkohletagebaus bedeuten, heißt es. Damit könnte der schlechte Börsenpreis womöglich überraschend schnell bewirken, was die erbitterten Proteste von Umweltschützern bisher nicht geschafft haben.
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