Taylor Swift zwingt Apple in die Knie

Taylor Swift (hier bei ihrem Auftritt am Freitag in Köln) hat Apple unter Druck gesetzt und zum Einlenken gezwungen. Bild: dpa

Was Musik-Labels erst in monatelangen Verhandlungen ausfeilschen, erreichte Taylor Swift über Nacht via Twitter und Tumblr-Blog. Die 25-jährige Sängerin erzwang bei Apple bessere Konditionen für Musiker im neuen Streaming-Service des mächtigen Konzerns.

Sängerin Taylor Swift hat bei Apple mit nur einem offenen Brief mehr Geld für Künstler und Plattenfirmen beim neuen Musikdienst des Konzerns rausgeholt. Apple kündigte nur wenige Stunden nach Swifts Blogeintrag an, dass Musiker auch während der kostenlosen dreimonatigen Probezeit bezahlt werden. Das war ursprünglich nicht vorgesehen. Die 25-jährige Swift hatte dies in einem Blogeintrag am Sonntag als "schockierend und enttäuschend" verurteilt. Der Chef der Apple-Plattform I-Tunes, Eddy Cue, sagte dem Technologie-Blog "Recode", das Umdenken sei von Swifts offenem Brief ausgelöst worden. Apple werde die Künstler bei seinem Streaming-Dienst Apple Music während der Gratis-Probezeit zu einem nicht näher genannten Tarif pro Abruf der Songs bezahlen. Es ist unklar, wie viel die Änderung Apple kosten wird.

Musik aus dem Netz

Beim Streaming wird die Musik direkt aus dem Netz abgespielt. Apple setzte bisher auf den Verkauf von Musik zum Herunterladen. Mit dem Start von Apple Music am 30. Juni stößt der Konzern ins Streaming-Geschäft vor, in dem bisher die schwedische Firma Spotify der Marktführer ist. Dabei lockt Apple die Kunden mit einer kostenlosen Schnupperphase. Swift hatte 2014 für Aufsehen gesorgt, als sie ihre Alben bei Spotify abzog, weil der Dienst auch eine werbefinanzierte Gratis-Version hat. Die Sängerin sieht darin eine Entwertung von Musik. Jetzt hatte sie angekündigt, sie werde ihr aktuelles Album "1989" dem Streaming-Service von Apple vorenthalten.

Apple hat keine Gratis-Version, aber eine dreimonatige kostenlose Testphase für neue Nutzer. Da Apple in dieser Zeit kein Geld bekommt, wollte der Konzern auch keine Abgaben an Plattenfirmen zahlen, von denen ein Teil an die Künstler weiterfließt. Dafür sollten sie danach einen etwas höheren Umsatzanteil von 71,5 bis 73 Prozent bekommen, In der Branche gelten etwa 70 Prozent als üblich. Swift hatte Apple aufgerufen, die Zahlpause zu überdenken. "Bitte verlangen Sie von uns nicht, Ihnen unsere Musik ohne Gegenleistung zur Verfügung zu stellen."

Kleinere Firmen verärgert

Auch kleiner Plattenfirmen hatten sich zuvor mit Apples Vorgehensweise unzufrieden gezeigt. So kritisierte der Verband unabhängiger Musikunternehmen, Apple wälze auf sie finanzielle Risiken ab, und veröffentlichte ebenfalls einen offenen Brief. Einige Kritiker verwiesen darauf, dass Apple zum Ende des vergangenen Quartals Geldreserven von mehr als 190 Milliarden Dollar hatte. Die Reaktion von Apple kam jedoch erst nach der weltweiten Aufmerksamkeit für den Brief von Swift. Ihr Album "1989" verkaufte sich seit der Veröffentlichung im Herbst 2014 allein in den USA rund fünf Millionen Mal. Apple dürfte mit dem Absatz über seine Plattform I-Tunes einen erheblichen Anteil daran gehabt haben.
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