Technisch hochwerig oder "altbewährte" Methode": Mautsysteme und ihre Vor- und Nachteile
Klassisches "Pickerl" oder High-Tech-Maut?

In vielen Ländern Europas muss man für die Benutzung von Autobahnen bezahlen. In der Schweiz brauchen Autofahrer für die Benutzung der sogenannten Nationalstraßen, zu denen auch die Autobahnen gehören, eine Vignette. Sie gilt ein Jahr und kostet 40 Schweizer Franken. Auch in Österreich ist eine Vignette für Autobahnen und Schnellstraßen nötig. Sie kostet für 10 Tage 8,80 Euro. In Frankreich müssen Urlauber auf fast allen Autobahnen an Mautstationen zahlen. Die Gebühr hängt auch von der gefahrenen Distanz a

Berlin. Vom einfachen "Autobahnpickerl" bis hin zu technischen aufwendigen Erfassungsgeräten für Lastkraftwagen: Zur Erfassung einer Straßenmaut sind unterschiedliche Lösungen am Markt. Bei der Pkw-Maut in Deutschland setzt die Bundesregierung eher auf ein schlichtes System.

Welche unterschiedlichen technischen Mautsysteme gibt es überhaupt?< br />
Prinzipiell kann man zwischen zwei verschiedenen Ansätzen unterscheiden: Bei einem herkömmlichen Vignettensystem erwirbt man für ein Fahrzeug die Straßennutzungsrechte für einen bestimmten Zeitraum. Bei technisch aufwendigeren Systemen wird die Höhe der Maut vor allem nach der auf mautpflichtigen Straßen zurückgelegten Wegstrecke berechnet. Bei beiden Systemen - Zeitraum oder Strecke - können zusätzliche Berechnungskriterien einfließen, etwa die Anzahl der Achsen des Fahrzeugs oder die Motorbauart und die Schadstoffklasse im jeweiligen Fahrzeug bei der Pkw-Maut.

Welche Vor- und Nachteile hat die einfache Vignette, die an die Windschutzscheibe geklebt wird?

Die Papier-Vignette, die beispielsweise in Österreich eingesetzt wird, kann ohne großen technischen Aufwand eingeführt werden. Mit ihr können quasi keine Datenschutzprobleme entstehen. Allerdings ist eine Kontrolle nur durch die klassische Verkehrsüberwachung möglich. In Österreich versucht man mit drakonischen Geldstrafen bei Verstößen, die Fahrer zur Verwendung einer gültigen Vignette zu bewegen.

Warum wurde bei der deutschen Lkw-Maut nicht auf eine simple Vignette gesetzt?

Der Gesetzgeber wollte bewusst die konkrete Nutzung der Fernstraßen zur Grundlage der Straßenbenutzungsgebühr machen. Dazu können die Lkw-Besitzer in ihre Fahrzeuge freiwillig eine sogenannte On-Board-Unit einbauen lassen, mit deren Hilfe die Fahrstrecken per GPS-Signal erfasst und über Mobilfunk an die Abrechnungsstellen übertragen werden. Die gefahrenen Strecken können aber auch manuell über das Web oder Mautstellen-Terminals gebucht werden.

Wie kann denn bei den Lkw ermittelt werden, ob die Maut bezahlt wurde oder nicht?

Die Kontrolle erfolgt zum einen über Mautbrücken, bei denen das Kennzeichen erfasst wird. Wenn alles in Ordnung ist, wird noch auf der Mautbrücke das Foto wieder gelöscht. Bestehen Zweifel, wird das jeweilige Foto zu einer Auswertung an eine Kontrollstelle übermittelt.

Darüber hinaus sind Kontrollfahrzeuge des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) auf den Straßen unterwegs, die über Funk von den On-Board-Units der Lkw oder eine Kennzeichenkontrolle den Maut-Status innerhalb von wenigen Sekunden abfragen können.

Welches System soll bei der deutschen Pkw-Maut zum Einsatz kommen?

Bei der Pkw-Maut wird keine Rolle spielen, welche Strecke vom Fahrer zurückgelegt wird. Wenn das Gesetz in Kraft tritt, wird das Kraftfahrtbundesamt (KBA) die Maut bei den inländischen Kfz-Besitzern eintreiben. Die Höhe der Maut hängt von der Motorbauart (Otto-Motor oder Diesel) und der Schadstoffklasse im jeweiligen Fahrzeug ab.

Für Fahrzeuge aus dem Ausland ist die Mautpflicht auf die Autobahnen beschränkt. Für die ausländischen Fahrer wird nicht nur die Jahresvignette angeboten, sondern auch Vignetten, die für zehn Tage oder auch zwei Monate gelten.

Müssen dann auch Vignetten an die Windschutzscheibe geklebt werden?

Nein, die Bundesregierung setzt auf eine virtuelle Vignette. Das Kennzeichen des jeweiligen Fahrzeugs soll erfasst und ausgewertet werden, ein zusätzlicher Aufkleber oder ein Funksender sollen nicht nötig sein. Kontrolliert wird die Maut durch das Bundesamtes für Güterverkehr (BAG), das schon heute die Lkw-Maut überwacht.

Wäre mit einem Maut-System auch eine dynamische Verkehrslenkung möglich?

Ja, mit einem elektronischen System könnte man beispielsweise die Kosten für die Nutzungsrechte für bestimmte Strecken zu verschiedenen Zeiten verändern. Damit wäre es beispielsweise möglich, bei Smog-Lagen oder zu Stoßzeiten das Fahren teurer zu machen. Doch das gilt nicht für jeden betroffenen Fahrer: Mit einer simplen Jahresvignette, die deutsche Autofahrer erhalten sollen, ist das nicht machbar.
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