Telekom verkauft Internetportal T-Online

T-Online ist das meistbesuchte deutsche Webportal. Zudem laufen noch heute rund 30 Millionen E-Mail-Adressen unter dem Namen T-Online. Für die Nutzer ändere sich durch den Verkauf nichts, der E-Mail-Dienst werde weiterhin von der Telekom auf ihren Servern betrieben, betonte die Deutsche Telekom. Bild: dpa

Das größte deutsche Internetportal T-Online bekommt einen Werbevermarkter als neuen Besitzer. Die Deutsche Telekom gibt es an die Firma Ströer ab, die vor allem für ihr Geschäft mit Außenwerbung bekannt ist.

Die Deutsche Telekom verkauft Deutschlands das Webportal T-Online an den Werbevermarkter Ströer. Um die E-Mail-Adressen "@t-online.de" werde sich weiterhin die Telekom kümmern, für die Nutzer ändere sich da nichts, betonten die Unternehmen am Donnerstag. Es würden auch keine Kundendaten an Ströer weitergegeben. T-Online und der Telekom-Werbevermarkter Interactive Media werden bei dem Geschäft insgesamt mit 300 Millionen Euro bewertet. Ströer zahlt den Preis nicht in bar, sondern lässt die Telekom bei sich einsteigen. Die Aktien dafür will sich Ströer mit einer Kapitalerhöhung besorgen.

Ströer will mit dem Kauf noch größer in das Geschäft mit Online-Werbung einsteigen. Bekannt ist das Kölner Unternehmen vor allem für die Vermarktung von Außenwerbung, also etwa auf Plakaten, öffentlichen Verkehrsmitteln oder Werbebanden in Fußballstadien. Interactive Media vermarktet zum Beispiel Werbeplätze für gutefrage.net oder kicker.de.

Einsparungen erwartet

Ströer-Chef Udo Müller erhofft sich mit dem Deal auch Einsparungen bei den Kosten für Nachrichten. "Jetzt bekommen wir die Möglichkeit, beispielsweise Inhalte von T-Online auf unseren öffentlichen Screens zu zeigen", sagte Müller. Auf dem T-Online-Portal selbst solle es unter Ströer-Regie nicht mehr Werbung als bisher geben.

Das Bundeskartellamt muss dem Geschäft noch zustimmen. Mit der Übernahme würde Ströer zum mit Abstand größten Online-Vermarkter Deutschlands. Das Unternehmen liegt in diesem Markt laut AGOF (Arbeitsgemeinschaft Online Forschung) bereits auf Rang eins. Dahinter folgen Axel Springer Media Impact und bei der Reichweite fast gleichauf Interactive Media.

Deutliches Umsatzplus

Müller zeigte sich zuversichtlich, dass die Wettbewerbshüter den Deal abnicken "Bei einem derart fragmentierten und von amerikanischen Großkonzernen dominierten deutschen Onlinewerbemarkt habe ich keine Bedenken bezüglich der Zustimmung durch das Kartellamt", sagte er. "T-Online.de ist mit einer Marge von 35 Prozent auch hochprofitabel", erklärte Müller. Aufs Jahr gerechnet würden T-Online und Interactive Media mehr als 100 Millionen Euro zum Ströer-Umsatz beitragen, heißt es in der Mitteilung. Zum Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen kämen 35 Millionen Euro dazu - Einsparungen durch die Übernahme herausgerechnet.

Beteiligung an Ströer

Klappt die Übernahme, würde die Telekom zu einem der größten Aktionäre des Käufers werden. Die Telekom werde nach dem Geschäft abhängig vom Aktienkurs voraussichtlich rund 11 bis 13 Prozent an Ströer halten. So wolle sie an möglichen Wertsteigerungen mitverdienen, sagte Telekom-Deutschlandchef Niek Jan van Damme. Erst zwölf Monate nach dem Geschäft dürfte die Telekom ihre Aktien weiterverkaufen.

Die Telekom konzentriert sich derzeit auf ihr Geschäft als Netzanbieter und stößt Randgeschäfte ab. Bereits seit mehreren Monaten soll T-Online anderen Konzernen zum Verkauf angeboten worden sein - dabei tat sich die Telekom aber offenbar schwer. Dem vor allem im Digitalgeschäft wachsenden Medienkonzern Axel Springer etwa wurde Interesse nachgesagt, schlussendlich winkte Vorstandschef Mathias Döpfner aber ab.
Weitere Beiträge zu den Themen: Bonn (591)Köln (556)August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.