Tengelmann verkauft seine Supermärkte an Edeka - Kartellamt alarmiert: intensive Prüfung
Konzentration im Lebensmittelhandel

Der traditionsreiche Handelskonzern Tengelmann steigt aus dem Supermarktgeschäft aus und verkauft seine verbliebenen 451 Filialen an den deutschen Marktführer Edeka. Das Geschäft soll im nächsten Sommer unter Dach und Fach sein. Das Bundeskartellamt deutete allerdings Bedenken an. Der Name Tengelmann soll nach der Übernahme verschwinden, die Zukunft des Namens Kaiser's ist offen.

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub, sagte am Dienstag er sehe keine Alternative zum Verkauf. Seit 15 Jahren schreibe die Kette rote Zahlen. Alle Sanierungsbemühungen seien gescheitert. Mit einem Marktanteil von 0,6 Prozent sei die Supermarktkette zu klein, um sich gegen die großen Konkurrenten wie Edeka oder Rewe behaupten zu können.

Auch Schließung möglich

Zu finden sind die Kaiser's Tengelmann Supermärkte ohnehin nur noch in Berlin und Umgebung, in München und Oberbayern und in Teilen Nordrhein-Westfalens. Scheitere der Verkauf an Vorbehalten des Kartellamts, drohe im schlimmsten Fall die Schließung der Filialen und das Aus für fast 16 000 Arbeitsplätze, sagte Haub. Die Kette erwirtschaftete zuletzt einen Netto-Umsatz von rund 1,8 Milliarden Euro. Lange Zeit waren die Supermärkte das Herzstück des 1876 gegründete Unternehmen. Heute sind für das Mülheimer Familienunternehmen andere Sparten viel wichtiger - etwa die Textil-Discount-Kette Kik und die Obi-Heimwerkermärkte. Zudem war Tengelmann ein Vorreiter beim Ausbau des Online-Handels. So gehört dem Unternehmen eine 5-prozentige Beteiligung am Börsen-Neuling Zalando.

Das Bundeskartellamt signalisierte allerdings massive Bedenken gegen das Vorhaben. Kartellamtspräsident Andreas Mundt betonte: Nach der jüngsten Sektoruntersuchung im Lebensmitteleinzelhandel - einer Studie des Kartellamts - sei "schon die jetzige Konzentration ein Problem". Jeder weitere Schritt in diese Richtung werfe schwierige wettbewerbsrechtliche Fragen auf. Die Wettbewerbsbehörde werde das Vorhaben deshalb intensiv prüfen."

Eine Studie der Wettbewerbshüter hat ergeben, dass die vier größten Spieler im deutschen Lebensmitteleinzelhandel - Edeka, Rewe, Aldi sowie die Schwarz-Gruppe mit den Lidl-Märkten und Kaufland - inzwischen zusammen auf einen Marktanteil von rund 85 Prozent kommen.

Für die beteiligten Unternehmen kommen die Bedenken nicht unerwartet. Die Übernahme der Geschäfte durch Edeka soll erst am 30. Juni nächsten Jahres erfolgen. Edeka will die Standorte an selbstständige Kaufleute übergeben. Neben den Supermärkten Kaiser's kauft Edeka auch die Online-Händler Plus.de und GartenXXL.de. Dies sei ein wichtiger Entwicklungsschritt für das Online-Geschäft der Edeka-Discount-Tochter Netto, sagte Edeka-Chef Markus Mosa.
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