Testfahrten für Lkw mit Autopilot

Im Juli 2014 präsentierte Daimler den Mercedes-Benz Future Truck auf der A14 in Sachsen-Anhalt. Für einen anderen Autopilot-Laster hat der Autobauer Daimler nun die behördliche Genehmigung für Testfahrten auf Deutschlands Straßen erhalten. Archivbild: dpa

Wenn Lasterfahrer abgelenkt oder müde sind, drohen schwere Unfälle. Beim autonomen Fahren wäre dieses Risiko minimiert. Doch Autopilot-Laster gibt es noch nicht auf Deutschlands öffentlichen Straßen. Das ändert sich nun - zumindest testweise.

Erstmals werden bald in Deutschland Lastwagen auf öffentlichen Straßen auftauchen, die nicht von menschlicher Hand gelenkt werden. Für die Testfahrten der Autopilot-Laster erhielt der Autobauer Daimler die behördliche Genehmigung. Das teilten der Konzern und das Verkehrsministerium Baden-Württemberg am Freitag in Stuttgart mit. Genau genommen handelt es sich um "teilautonome" Fahrzeuge. Sie werden zwar vom Autopiloten gesteuert. Ein Fahrer muss aber auf dem Fahrersitz sein, um gegebenenfalls eingreifen zu können. Wann die im ganzen Bundesgebiet möglichen Testfahrten losgehen, ist aber noch unklar.

Ein Sprecher von Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) wies darauf hin, dass das Unfallrisiko durch verbesserte Fahrassistenz- und Sicherheitssysteme sinke. Zugleich betonte er, es gehe nicht darum, mehr Laster auf die Straße zu bringen, sondern die vorhandenen Fahrzeuge sicherer zu machen. Daimler hatte 2014 teilautonome Laster auf einer abgesperrten Strecke bei Magdeburg vorgeführt, im Mai 2015 folgten Tests auf einer öffentlichen Straße in den USA.

Bis die teilautomatisierten Laster in den freien Verkauf könnten, wird noch viel Zeit vergehen: Zunächst müssen Millionen an Testkilometern gefahren werden, bevor weitere Zulassungs-Hürden genommen werden müssen. "Das dauert noch sehr, sehr lang", sagte Christoph Hecht vom ADAC. Die meisten schweren Lkw-Unfälle auf Autobahnen resultierten aus Ablenkung oder Einschlafen der Fahrer, sagte Hecht. Die Automatisierung beim Lasterfahren könne die Sicherheit "entscheidend verbessern". Fraglich sei aber, ob der Markt die Fahrzeuge überhaupt annehmen werde. "Es fehlt noch der wirtschaftliche Anreiz für die Unternehmer, weil sie die Fahrer ja weiterhin bezahlten müssten, unabhängig davon, ob das Fahrzeug automatisiert oder manuell gesteuert wird."

Fahrende Laster ganz ohne einen Menschen auf dem Fahrersitz bleiben hingegen reine Zukunftsmusik, das macht auch Baden-Württembergs Verkehrsministerium deutlich. Das sei "auf absehbare Zeit noch nicht realisierbar", hieß es aus dem Ministerium. Dafür sei der Verkehr zu komplex und oben drein seien die Straßen dafür nicht angelegt.
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