Tim Cooks Triumph

Er hat es allen gezeigt: Seit Herbst 2011 steht Tim Cook (Bild) an der Spitze von Apple. Seitdem war immer wieder bezweifelt worden, dass das Unternehmen so erfolgreich sein würde wie unter dem Mitgründer und Übervater Steve Jobs. Doch im abgelaufenen Geschäftsquartal hatte Apple mit 18 Milliarden Dollar so viel Gewinn gemacht wie kein US-Unternehmen zuvor. Archivbild: dpa

Nach dem Tod des legendären Firmengründers Steve Jobs im Oktober 2011 sahen etliche Beobachter Apple auf dem absteigenden Ast. Doch Jobs-Nachfolger Tim Cook führte den Konzern zu einem neuen Weltrekord.

Es ist der Moment des großen Triumphs für Apple-Chef Tim Cook. Der historische Quartalsgewinn von 18 Milliarden Dollar bestätigt, dass Apple in einer eigenen Liga spielt. Der neue Weltrekord in der Wirtschaftsgeschichte nimmt den vielen Skeptikern auf einen Schlag den Wind aus den Segeln. Noch vor einigen Monaten überboten sich etliche Beobachter in düsteren Untergangsszenarien. Der Konzern habe ohne seinen 2011 verstorbenen Gründer Steve Jobs die Innovationskraft verloren, hatte es geheißen. Das I-Phone sei zu teuer, daher hätten Googles Betriebssystem Android sowie Samsung und die günstigen chinesischen Hersteller den Kampf um den Smartphone-Markt schon gewonnen.

Auf Kurs geblieben

Rückblickend war es die größte Leistung von Cook, in diesem Gegenwind konsequent seine Linie zu halten. Apple wolle die besten, nicht die meisten Geräte verkaufen, erklärte er vor einem Jahr den Analysten, denen die Zahlen des Weihnachtsgeschäfts 2013 nicht gut genug vorkamen. Und nein, Preisabschläge stünden nicht zur Debatte. Er glaube, dass selbst die Kunden in Schwellen- und Entwicklungsländern, die zunächst einmal günstige Geräte kauften, mit der Zeit zum I-Phone finden würden, erläuterte Cook seine Strategie. Mit dem Verkaufsstart des größeren I-Phone 6 sollte Cook überraschend schnell recht behalten. Die 74,5 Millionen I-Phones wurden bei weitem nicht nur in den reichen Märkten wie USA und Westeuropa abgesetzt. In Brasilien, Russland, Indien und China verdoppelten sich die I-Phone-Verkäufe nahezu.

Cook und sein Team können sich aber nicht auf dem Erfolg des fantastischen Quartals ausruhen. Dem I-Phone endlich einen größeren Bildschirm zu verpassen, war ein Trumpf, den Apple nur einmal ausspielen konnte. Wie nachhaltig ist dieser Boom also? Cook zeigte sich "unglaublich optimistisch". Erst etwas mehr als 15 Prozent der bisherigen I-Phone-Nutzer seien auf das I-Phone 6 umgestiegen, sagte er nach Zahlenvorlage. Der Anteil der Neukunden und der Umsteiger vom Android-System sei am höchsten in drei I-Phone-Generationen gewesen. Und Cook beunruhigt es scheinbar auch nicht, dass der Tablet-Computer I-Pad nach fulminantem Start nun eine Verschnaufpause eingelegt hat.

Die Uhr schlägt im April

Zudem schlägt Apple im April ein neues Kapitel mit dem Start seiner ersten Computeruhr auf. Cook nannte den Monat nebenbei in der Telefonkonferenz. Es ist eine große Wette: Apple will den Computer am Handgelenk etablieren, viele Experten bezweifeln jedoch grundsätzlich, dass eine Computeruhr ähnlich nützlich sein kann wie ein Smartphone. Außerdem gibt es Zweifel an der Batterielaufzeit.

Mit Apple Pay hat das Unternehmen ein weiteres Ass im Ärmel. Das digitale Bezahlsystem wurde erst im Oktober in den USA eingeführt. Nach Angaben von Firmenchef Cook werden schon jetzt zwei von drei Dollar, die über kontaktlose Bezahlsysteme ausgegeben werden, über Apple Pay abgewickelt. Inzwischen unterstützen 750 Banken und Finanzinstitute das System. Cook ist sich sicher: "2015 wird das Jahr von Apple Pay."
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