Top-Manager verdienen 54 Mal so viel wie einfache Angestellte

Martin Winterkorn ist der Top-Verdiener unter den Vorständen der Dax-Unternehmen. Bild: dpa
 
Reinhard Ploss, Vorstandsvorsitzender von Infineon, ist Letzter in dieser Rangliste. Archivbilder: dpa

Zwischen normalen Arbeitseinkommen und den Vorstands-Gehältern bei Deutschlands Börsenschwergewichten klafft eine riesige Lücke. Und sie wird immer größer - obwohl die Dax-Vorstandsgehälter 2014 eher moderat gestiegen sind.

Deutschlands Top-Manager kassieren einer Studie zufolge 54 Mal so viel wie ein durchschnittlicher Angestellter eines Dax-Konzerns. Die Schere zwischen normalen Arbeitseinkommen und Vorstandsgehältern gehe damit erneut weiter auf, berichteten die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und Experten der Technischen Universität München am Mittwoch in Frankfurt. Im Vorjahr hatten die Dax-Vorstände nach den Berechnungen der Experten noch 53 Mal so viel verdient wie ihre Angestellten.

Anstieg um 1,5 Prozent

Die Vorstandsgehälter erhöhten sich im Vergleich zum Vorjahr mit durchschnittlich 1,5 Prozent geringer als die Bruttolöhne in Deutschland, die 2014 um 3,8 Prozent zulegten. "Möglicherweise hat die gesellschaftliche Debatte um die Bezahlung von Top-Managern zu dieser moderaten Entwicklung beigetragen", sagte der Münchener Wissenschaftler Gunther Friedl. Im Schnitt überwiesen die 30 Konzerne im Deutschen Aktienindex ihren Vorständen für das Geschäftsjahr 2014 nach den Angaben je rund 3,4 Millionen Euro, 100 000 Euro mehr als im Vorjahr. Der Anstieg bleibe deutlich hinter der Entwicklung der Gewinne der Dax-Unternehmen zurück, bei der es ein Plus von 6,8 Prozent gegeben habe. Kritisch merkten die Studienautoren an, dass viele Unternehmen erneut bei den Festgehältern eine Schippe drauflegten. Die fixen Vergütungsbestandteile seien mit 4,9 Prozent stärker gestiegen als die Gesamtbezüge. "Diesen Trend halten wir für bedenklich", sagte Friedl. "Denn das Gehalt sollte sich vor allem aus der Leistung eines Vorstandsmitglieds ergeben. Bei einem Rückgang der wirtschaftlichen Kennzahlen eines Unternehmens sollte auch das Gehalt entsprechend reagieren."

Spitzenreiter unter den Dax-Chefs war wie in den vier Vorjahren Volkswagen-Lenker Martin Winterkorn mit einer Gesamtvergütung von 15 Millionen Euro. Fast auf die gleiche Summe kommen der Zweit- und der Drittplatzierte zusammen: Bill McDermott von SAP (7,9 Millionen Euro) und Karl-Ludwig Kley von Merck (7,8 Millionen Euro). Der am schlechtesten bezahlte Dax-Vorstandschef war Reinhard Ploss von Infineon mit 2,1 Millionen Euro.

Nadella: 63,4 Millionen

Die Vorstandsvorsitzenden der Dax-Unternehmen erhielten im Schnitt für das abgelaufene Jahr 5,3 Millionen Euro und damit etwas mehr als ein Jahr zuvor. Damit kassierten sie mehr als ihre Kollegen in Frankreich (3,7 Millionen Euro) und weniger als die in der Schweiz (6,0 Millionen Euro), sagte DSW-Vergütungsexpertin Christiane Hölz. Meilenweit entfernt bleibt für die meisten Top-Manager in Deutschland das Gehaltsniveau der USA: Die Bosse der Unternehmen im Dow Jones Industrial Average (DJIA) kamen im Schnitt auf eine Jahresvergütung von umgerechnet 15,1 Millionen Euro. Spitzenverdiener: Microsoft-Chef Satya Nadella, der insgesamt rund 63,4 Millionen Euro erhielt, 54,7 Millionen Euro allerdings in Form von Aktienpaketen, auf die er erst 2019 zugreifen kann.
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