Tradition kauft Tradition

Fahrt in eine gemeinsame Zukunft: Ravensburger hat Brio, Hersteller von Holzspielzeug aus Schweden, übernommen. Brio war von Iva Bentsson gegründet worden. Er investierte seine Ersparnisse und verkaufte im Jahr 1884 Holzkörbe nach Dänemark. 1907 erweiterte die Firma ihr Angebot und produzierte die ersten Spielzeuge. Die Holzeisenbahn kam 1958 auf den Markt. Bild: dpa

Der Puzzle-Hersteller Ravensburger übernimmt einen Klassiker. Künftig gehört der schwedische Holzeisenbahnhersteller Brio zu der Firma mit dem blauen Dreieck. Damit betritt Ravensburger neues Terrain.

Der Spielehersteller Ravensburger kauft den schwedischen Holzspielzeug-Hersteller Brio. Mit Hilfe der Übernahme wolle das Unternehmen stärker im Ausland wachsen, erklärte Ravensburger-Chef Karsten Schmidt am Donnerstag in einer Mitteilung. Zudem wolle Ravensburger vom Spieleanbieter ins Spielwarengeschäft expandieren.

Eisenbahn und Dackel

Brio mit Sitz in Malmö ist mit 130 Jahren fast genauso alt wie Ravensburger. Während die Oberschwaben sich allerdings bislang auf Puzzles, Spiele sowie Kinder- und Jugendbücher spezialisiert haben, konzentriert sich Brio auf Holzspielzeug. Neben den Holzeisenbahnen stellt Brio unter anderem Nachzieh-Dackel und Bauklötze her.

Wie viel Ravensburger sich die Traditionseisenbahn hat kosten lassen, wurde nicht bekanntgegeben. Brio machte mit seinen 80 Mitarbeitern zuletzt 38 Millionen Euro Umsatz. Ravensburger brachte es 2013 auf rund 360 Millionen Euro Umsatz.

Brio gehört seit mehr als zehn Jahren in der Mehrheit dem schwedischen Investor Proventus. Jahrelang dominierten Brios Holzeisenbahnen die Kinderzimmer. In der Bundesrepublik sei Brio nach wie vor Marktführer, sagte Deutschland-Geschäftsführer Erwin Müller. Vor einigen Jahren kämpfte das Unternehmen nach Absatzproblemen mit einem Liquiditätsengpass. Schuld war nach Angaben von Müller eine neue Sortiments- und Produktstrategie, die Investor Proventus Brio verordnet hatte. 2013 trennte sich Brio vom Geschäft mit Kinderwagen und Kinderautositzen. Inzwischen ist wieder die Rede von profitablem Wachstum. Gewinnzahlen veröffentlicht Brio nicht.

Elektronische Neuheiten

Die gesamte Spielwarenbranche entwickelte sich zuletzt verhalten. Für 2014 rechnet der Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS) mit einem Plus von 1 bis 1,5 Prozent. Ravensburger schaffte es zuletzt besonders mit elektronischen Produktneuheiten, seine Umsätze deutlich stärker als der Markt zu steigern. Dazu gehört die Serie Tiptoi, mit einem elektronischen Stift sowie interaktiven Büchern und Spielen.

Ravensburger-Chef Schmidt machte aber 2014 auf der Spielwarenmesse in Nürnberg klar, dass sein Unternehmen nach wie vor an traditionellem Spielzeug festhalte. "Wir bewahren das Alte und pflegen es, aber die Zuwächse kommen immer durch neue Wege und Innovation", sagte er.
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