Trotz Veggie-Trends Fleischkonsum konstant

Vegetarische oder vegane Ernährungsweise liegt im Trend. Selbst bekannte Wursthersteller stocken ihr Produktportfolio mit Fleischersatz auf. Bild: dpa

Vegetarische und vegane Nahrungsmittel haben ihren Weg in die Supermärkte gefunden - die Kunden können auf ein breites Angebot zurückgreifen. Doch die Fleischindustrie bleibt gelassen. Metzger freuen sich sogar über neue Kunden.

Fleischlose Produkte auf Soja-, Weizen- oder Lupinenbasis sind präsent wie nie zuvor. Selbst bekannte Wursthersteller stocken ihr Produktportfolio mit Fleischersatz auf. Die deutsche Fleischindustrie lässt das kalt. Der Verbrauch an Wurst und Fleisch ist dem Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie (BVDF) zufolge in den vergangenen drei Jahren konstant geblieben.

Produktion nicht günstiger

Seit gut einem halben Jahr bietet der niedersächsische Wursthersteller Rügenwalder Mühle vegetarische Wurst, Frikadellen und Schnitzel an. Die Produktionskosten seien "eins zu eins mit der Wurst aus Fleisch", sagt der Entwicklungs- und Marketingchef von Rügenwalder, Godo Röben. Auch im Supermarkt kosten die Packungen gleich viel - jeweils 1,29 Euro. Die Herstellungskosten hätten das Unternehmen damals selbst überrascht. Man habe mit einer günstigeren Produktion gerechnet, sagt Röben. Eier aus Freilandhaltung, Rapsöl und gentechnikfreies Soja kämen aber nicht günstiger als Fleisch für das herkömmliche Produkt.

"Wir hatten uns ursprünglich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 rund ein Drittel unseres Umsatzes mit fleischfreien Artikeln zu erzielen", sagt Röben. "Wenn es so gut weiterläuft wie bisher, werden wir dieses Ziel jedoch viel früher erreichen." Bereits im kommenden Herbst sollen die vegetarische Produkte 30 Prozent der Wochentonnage ausmachen. Damit wolle Rügenwalder Mühle den Wurstmarkt "revolutionieren".

Der Geschäftsführer des BVDF, Thomas Vogelsang, sieht das nicht als Kampfansage: "Es ist eher ein Revolutiönchen." Der Marktanteil der fleischlosen Produkte sei noch sehr klein. 92 Prozent der Verbraucher hat der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) zufolge im vergangenen Jahr nie oder weniger als einmal im Monat Fleischersatzprodukte gegessen. Nur rund elf Millionen Kunden hätten dafür im Schnitt 19 Euro im ganzen Jahr ausgegeben. Insgesamt seien das 213 Millionen Euro gewesen. "Es gibt sicher einen Markt dafür", sagt Gero Jentzsch, Sprecher des Deutschen Fleischer-Verbands, der bundesweit rund 14 000 Betriebe vertritt. Auch im Handwerk sei das Thema Fleischverzicht angekommen - vor allem im Bereich Catering und Partyservice müssten die Fleischer umstellen. "Es gibt kein Buffet mehr ohne vegetarische Angebote", sagt Jentzsch.

Flexitarier im Blick

Im Verkauf sei das Fleischerhandwerk noch in einer Experimentierphase. Er könne sich aber auch von Hand hergestellte vegetarische und vegane Produkte in den Theken vorstellen. Gerade die sogenannten Flexitarier seien für das Fleischerhandwerk eine neue Kundengruppe. Sie setzen sich bewusst mit dem Fleischkonsum auseinander, wollen aber nicht auf ein Steak oder Grillwurst verzichten. "Sie gehen häufiger ins Fleischfachgeschäft und nicht zum Discounter", sagt Jentzsch.
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