Tsipras hält sich zurück

Beim Besuch im Juni 2014 in Brüssel hatten Syriza-Chef Alexis Tsipras (links) und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz noch gut lachen. Wenn Tsipras am Mittwoch als neuer griechischer Premier kommt, dürfte die Stimmung eisiger sein. Archivbild: dpa

Erst wurde gepoltert, doch schon werden die Signale aus Athen versöhnlicher. Auch der neuen Regierung scheint klar, dass die Zukunft des Landes auf dem Spiel steht. Kanzlerin Merkel will ohnehin erst mal abwarten.

Nach scharfen Tönen in Richtung der Euro-Partner will der neue griechische Premier Alexis Tsipras eine gemeinsame Linie mit den Geldgebern ausloten. Dabei zeigte er sich am Wochenende deutlich gemäßigter. "Obwohl es unterschiedliche Perspektiven gibt, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir bald eine für beide Seiten zufriedenstellende Vereinbarung treffen können, für Griechenland und für Europa als Ganzes", teilte Tsipras der Nachrichtenagentur Bloomberg mit.

Auf einer "Roadshow" führt der 40-jährige Chef der frisch gewählten Links-Rechts-Regierung diese Woche Gespräche unter anderem in Frankreich und Italien sowie mit der EU-Kommission. Zuvor war es am Freitag zum Eklat gekommen, als der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem eröffnete, sein Land werde nicht mehr mit der "Troika" der Spar-Kontrolleure zusammenarbeiten. Inzwischen versuchte Tsipras, in Telefonaten mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, die Wogen zu glätten. Varoufakis sagte am Sonntag, sein Land wolle bis Ende Mai eine Lösung der finanziellen Situation finden. Bis dahin werde sein Land um keine neuen Kredite bitten.

Das Gespräch mit Juncker sei freundschaftlich verlaufen, hieß es am Sonntag aus dem Umfeld des Luxemburgers. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sagte der "Welt am Sonntag", er habe Tsipras "nachdrücklich ans Herz gelegt, verbal abzurüsten". Berlin steht nicht auf dem Reiseplan Tsipras', nach Angaben aus EU-Kreisen stimmt sich Juncker aber mit der Bundesregierung ab. Zudem kündigte Varoufakis einen Besuch in Berlin an.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich versöhnlich. "Wir, also in Deutschland und die anderen europäischen Partner, warten jetzt erst einmal ab, mit welchem Konzept die neue griechische Regierung auf uns zukommen wird", sagte sie dem "Hamburger Abendblatt". Wenn Reformanstrengungen unternommen würden, werde es "auch weiterhin Solidarität für Griechenland" geben: "Ich freue mich darauf, die Freundschaft unserer beider Völker weiter stärken zu können." (Angemerkt)
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