Tuifly zeigt sich hartleibig
Keine Entschädigung für Flugpassagiere

Nichts los: Der leere Check-In-Schalter von Tui am Flughafen in Hannover. Bild: dpa

Tagelanges Chaos für Tuifly-Kunden: Wegen fehlender Crews bleiben die Jets des Ferienfliegers Tuifly weitgehend am Boden. Davon getroffen ist auch Air Berlin. Jetzt könnte Besserung in Sicht sein.

Hannover/Berlin. Nach den massiven Ausfällen beim Ferienflieger Tuifly lenkt der Konzern ein. Die Entscheidung über eine Neuordnung der Airline soll verschoben werden. Der Aufsichtsrat der Tui AG werde nicht, wie ursprünglich geplant, schon am 26. Oktober entscheiden, teilte Personalvorstand Elke Eller am Freitagabend mit."Wir hoffen, dass dies unmittelbar zur Entspannung der Situation beiträgt." Vor einer Woche war bekanntgeworden, dass Tuifly in eine neue Dachholding unter Führung von Etihad integriert werden soll. Arbeitnehmervertreter befürchten einen Stellenabbau und kritisierten zu unkonkrete Angaben. Seitdem führen kollektive Krankmeldungen der Besatzungen zu Flugausfällen und massiven Verspätungen. Betroffen ist auch Air Berlin, denn ein Drittel der Tui-Flotte fliegt samt Besatzung für die Berliner.

Der Touristikkonzern Tui teilte nun mit, die Airline Tuifly solle für die Dauer von mindestens drei Jahren eine deutsche Gesellschaft mit Sitz in Hannover bleiben. Die heutigen Arbeitsverträge blieben solange bestehen und es gebe keine Einschnitte bei den Gehältern. Weitere Gesprächstermine mit den Arbeitnehmervertretern seien vereinbart. Bei Tuifly waren am Freitag fast alle Flüge ausgefallen. Die Airline versuchte mit gemieteten Maschinen und Crews einen Teil der Ausfälle aufzufangen. Auch Air Berlin musste nach eigenen Angaben 50 von 90 Flügen streichen.

Urlauber sitzen fest


Wegen der Ausfälle sitzen rund 900 Gäste der Thomas Cook-Veranstaltermarken Thomas Cook, Neckermann Reisen, Bucher Last Minute und Öger Tours in verschiedenen Urlaubsgebieten fest. Das teilte Thomas Cook am Abend mit. Um alle Gäste von den Kanarischen Inseln und aus Griechenland nach Deutschland zu befördern, werde das Unternehmen kurzfristig acht zusätzliche Flüge organisieren.

Nach den massiven Flugausfällen mehrt sich die Kritik am Tui-Konzern, der keine Entschädigungen an betroffene Passagiere zahlen will. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) empfahl geschädigten Urlaubern, Schadenersatzansprüche bei dem Ferienflieger anzumelden. Tui beruft sich auf höhere Gewalt und will Betroffenen nicht entschädigen. Kritik kam auch vom Tourismusforscher Torsten Kirstges, der den Tuifly-Mutterkonzern vor einem Imageschaden warnte. Mit Blick auf die Entschädigungsfrage sagte er: "Da hätte man sich besser bedeckt gehalten." Er gehe davon aus, dass die Gesellschaft entsprechende Prozesse verlieren werde und dann doppelt am Pranger stehe. Nach seiner Einschätzung liegt die ausreichende Personalausstattung in der Verantwortlichkeit des Arbeitgebers.

Reisebüros verärgert


Mehr Kulanz fordern die Reisebüros, die für Urlauber Stornierungen oder Umbuchungen vornehmen müssen, ohne dass der Mehraufwand vergütet wird. Die aktuellen Probleme dürften nicht auf dem Rücken der Reisebüros ausgetragen werden, erklärte der Branchenverband DRV.

Auf Unverständnis stießen die Tuifly-Turbulenzen auch an deren Heimatbasis Hannover. Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer der niedersächsischen Metallarbeitgeber sprach von einer "Form des versteckten Arbeitskampfes". Krankheit werde offensichtlich instrumentalisiert, um gegen mögliche unternehmerische Beschlüsse zu revoltieren: "Die Krankmeldung als Instrument einzusetzen, um eigene Ziele zu erreichen, untergräbt die Glaubwürdigkeit von Krankmeldungen insgesamt."

Unter Umständen SchadenersatzansprücheWenn der Flug zum Urlaubsort - wie aktuell bei Tuifly - nicht stattfinden kann, sollten Reisende zunächst ihren Veranstalter informieren. "Er muss Gelegenheit bekommen, den Mangel zu beheben", erklärt Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Verkürzt sich die Reisezeit, kann man entsprechend den Reisepreis mindern. Wird die Reise erheblich kürzer und schrumpft etwa von sieben auf fünf Tage, gilt sie als gescheitert, sagt Fischer-Volk. "Dann können Reisende zurücktreten und den Reisepreis zurückverlangen." Unter Umständen haben sie auch einen Anspruch auf Schadenersatz - und zwar gegenüber Veranstalter und Fluggesellschaft. Gegenüber dem Veranstalter seien das 75 Euro pro Person und Tag aufgrund "entgangener Urlaubsfreuden". Außerdem bestehen unter Umständen auch gegenüber der Airline Ansprüche aus der EU-Fluggastrechteverordnung auf eine Ausgleichszahlung. Voraussetzung: Die Fluggesellschaft kann sich nicht entlasten.

Ob die Airline sich bei massiven Flugausfällen durch massenhafte Krankmeldungen auf höhere Gewalt berufen kann, wie das derzeit Tuifly versucht, sei höchstrichterlich noch nicht entschieden. Die Verbraucherschützerin rät daher, sich dafür rechtlichen Rat zu holen. (dpa)
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