Turbohandel an den Börsen
Bundesbank sucht nach dem Bremspedal

Händler beobachten in Frankfurt im Handelssaal der Börse an ihren Monitoren das Geschehen. Die Bundesbank misstraut dem ultraschnellen computergesteuerten Handel an den Börsen. Bild: dpa

In Bruchteilen von Sekunden werden milliardenschwere Geschäfte an den Börsen gemacht. Doch der "Turbohandel" gerät immer wieder in die Kritik. Jetzt hat auch die Bundesbank ihn unter die Lupe genommen.

Frankfurt. Die Bundesbank blickt skeptisch auf den ultraschnellen computergesteuerten Handel an den Börsen. Es gebe Anzeichen dafür, dass der sogenannte Hochfrequenzhandel Trends in turbulenten Zeiten verstärke, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht der Notenbanker in Frankfurt.

Branche widersprochen


Einige Hochfrequenzhändler seien in kritischen Zeiten besonders aktiv und trieben den Markt damit in eine bestimmte Richtung. Andere "Turbohändler", die in ruhigen Zeiten den Markt mit hohen Umsätzen belebten, zögen sich hingegen zurück. Damit fielen sie als stabilisierender Faktor in kritischen Momenten aus.

Damit zieht die Bundesbank ein wichtiges Argument der Branche in Zweifel, wonach "Turbohändler" die Märkte immer mit genügend Liquidität versorgten, um damit auch anderen die schnelle Ausführung von Aufträgen zu fairen Kursen zu erlauben. "Turbohandel" betreiben unter anderem Banken und Investmentfonds.

Ein pauschales Urteil zu den Auswirkungen sei aber nicht angemessen, betonten die Bundesbank-Experten. So leisteten Hochfrequenzhändler in einem ruhigen Markt- umfeld einen bedeutenden Beitrag dazu, dass die Märkte liefen.

Dennoch sollten Möglichkeiten zur Verlangsamung des Handels geprüft werden, um Wettbewerbsnachteile für andere Händler auszugleichen, argumentiert die Notenbank. Dadurch könne auch das für den "volkswirtschaftlichen Nutzen zweifelhafte technologische Wettrüsten" an den Börsenplätzen reduziert werden.

Die Studie der Bundesbank ist nach eigenen Angaben die erste genaue Untersuchung über den Hochfrequenzhandel in Deutschland. Dazu analysierten Forscher Millionen Daten aus zwei Handelswochen an der Terminbörse Eurex im Jahr 2014. Im Hochfrequenzhandel wird versucht, in Bruchteilen von Sekunden möglichst viele Geschäfte abzuschließen und daraus Vorteile zu ziehen. Das Modell steht nach einigen nicht erklärbaren Kursturbulenzen in der Vergangenheit in der Kritik. Rund die Hälfte des Gesamthandels in den wichtigsten Börsensegmenten wird inzwischen diesem "Turbohandel" zugeschrieben.

Dennoch sollten Möglichkeiten zur Verlangsamung des Handels geprüft werden, um Wettbewerbsnachteile für andere Händler auszugleichen.Die Bundesbank in ihrer Studie
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