Übernahme in Fischbranche
Thai Union lässt sich Rügen Fisch schmecken

Eine Mitarbeiterin zeigt in der Verarbeitungshalle der Rügen-Fisch AG in Sassnitz eine Fischdose. Archivbild: dpa

Ein großer Fisch will einen kleineren schlucken: Der weltgrößte Hersteller von Thunfischkonserven übernimmt die Mehrheit an Rügen-Fisch - vorausgesetzt, das Bundeskartellamt hat nichts dagegen.

Sassnitz. Der asiatische Fischverarbeiter Thai-Union drängt auf den deutschen Markt. Der Weltmarktführer im Bereich Thunfischkonserven will die Mehrheit am größten deutschen Fischkonserven-Hersteller Rügen-Fisch übernehmen. Die Transaktion solle Ende Januar 2016 über die Bühne gehen, müsse aber noch vom Kartellamt genehmigt werden. Das teilte der Vorstandschef der in Sassnitz ansässigen Rügen-Fisch AG, Andrew Bergmann, am Montag mit. Thai-Union erwerbe 51 Prozent der Anteile.

46 000 Mitarbeiter


Deutschland sei einer der größten Märkte für Fischspezialitäten in Europa, erklärte Thai-Union-Präsident Thiraphong Chansiri. Das Unternehmen ist mit der Marke John West bereits im deutschen Markt vertreten. Die börsennotierte Thai-Union beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit etwa 46 000 Mitarbeiter. Zu Rügen-Fisch gehören neben den Marken Hawesta und Lysell auch Ostsee Fisch, Saßnitz Fisch sowie mehrere Handelsmarken. Das Unternehmen beschäftigt rund 850 Mitarbeiter in Sassnitz, Lübeck, Rostock und Litauen und erzielt nach Vorstandsangaben 2015 einen Umsatz von mehr als 140 Millionen Euro. Rügen-Fisch verzeichnete in den vergangenen Jahren sinkende Umsätze. 2013 hatte der Konzern noch einen Umsatz von 175 Millionen Euro verbucht. Als Ursache dafür nannte Bergmann den rückläufigen Preis für Hering und den Rückzug aus dem Bereich Lachs. Das Unternehmen produziert rund 800 Artikel - Marinaden, Räucherfischprodukte und Fischkonserven - und beliefert Kunden in mehr als 60 Ländern.

Das seit 1949 bestehende Unternehmen ging nach der Wiedervereinigung in Insolvenz. 1999 übernahmen der ehemalige Betriebsleiter Klaus Peper, der Lüneburger Unternehmer Thies Pickenpack sowie der Rechtsanwalt Berthold Brinkmann das Unternehmen. Konkurrenten wie Hawesta und Lysell wurden zugekauft. Dadurch stieg das Unternehmen zum größten Fischfeinkost-Hersteller in Deutschland auf. Im Sommer erwarb Brinkmanns Sohn Tobias die Anteile Pepers, der sich aus Altersgründen von der Geschäftsführung zurückgezogen hatte. Die Familien des Rechtsanwalts Brinkmann und des Tiefkühlfisch-Herstellers Pickenpack blieben maßgeblich am Unternehmen beteiligt.

Standorte bleiben


Durch die Übernahme der Mehrheit an Rügen-Fisch werden die Thailänder eigenen Angaben zufolge Marktführer in Deutschland. Thai-Union will vor allem mit Spezialitäten in den Thunfisch-Markt. Dieser Bereich sei das am schnellsten wachsende Marktsegment in Deutschland, sagte Chansiri. Die angestrebte Übernahme solle keine Auswirkungen auf die Mitarbeiterzahl und die Standorte von Rügen Fisch haben, erklärte Bergmann.
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