Übernahmepläne durch Edeka auf Eis
Kaiser's Tengelmann vor Personalentlassungen

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub steht in der Kritik. Der frühere Chef der Monopolkommission, Daniel Zimmer, wirft ihm vor, sich zu lange auf die Übernahme durch Edeka konzentriert zu haben. Bild: dpa

90 Millionen Euro Verlust macht Kaiser's Tengelmann in diesem Jahr. Die Übernahme durch Edeka wurde gerichtlich gestoppt und liegt auf Eis. Nun steht der Plan für die Zerschlagung der Supermarktkette. Tausende werden dann ihre Jobs verlieren. Eine Hoffnung aber gibt es.

Düsseldorf. Dutzende Filialen stehen zur Schließung an, schreibt die "Bild am Sonntag". Vor allem werde es Nordrhein-Westfalen hart treffen: 3000 der 4000 Mitarbeiter dort müssten wohl gehen, sagte eine mit der Sache vertraute Person am Sonntag auch der Deutschen Presse-Agentur. Beraten wird der Plan am Freitag vom Aufsichtsrat.

Die Hoffnungen ruhen nun auf einem Krisengipfel mit allen Beteiligten des Übernahme-Dramas um die traditionsreiche Handelskette. Neben den Vertretern Tengelmanns sollen Edeka, der Konkurrent Rewe und die Gewerkschaft Verdi mit am Tisch sitzen. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, Rewe-Chef Alain Caparros habe per Brief an die Tengelmann-Eigentümer seine Gesprächsbereitschaft betont. Der genaue Termin und der Ort des Spitzentreffens sind noch unbekannt.

Warten auf den BGH


Grund für die Misere ist die festgefahrene Fusion von Kaiser's Tengelmann mit dem Marktführer Edeka. Der Zusammenschluss liegt derzeit auf Eis und wird vor Gericht geklärt. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte mit einer Ministererlaubnis den Weg für die vom Kartellamt untersagte Fusion zwar wieder frei gemacht. Doch das Oberlandesgericht Düsseldorf kassierte diese Erlaubnis wieder ein, nachdem Wettbewerber wie Rewe dagegen vorgegangen waren. Edeka und Gabriel sind anschließend vor den Bundesgerichtshof (BGH) gezogen. Der will am 15. November eine erste Entscheidung treffen.

Ob Tengelmann so lange warten kann, ist offen. Die Lage der Kette spitzte sich nach Informationen der dpa zuletzt weiter zu. Die Geschäftsführer der angeschlagenen Gruppe rechnen allein in diesem Jahr mit Verlusten von rund 90 Millionen Euro, wie aus einem Brief des Managements an Eigentümer Karl-Erivan Haub vom 6. September hervorgeht, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Aus Sicht des früheren Chefs der Monopolkommission, Daniel Zimmer, hat Haub die dramatische Lage selbst verschuldet. "Er hat sich von Anfang an auf Edeka versteift und hält stur daran fest", sagte Zimmer dem Berliner "Tagesspiegel". Zimmer kritisiert, die Tengelmann-Führung habe seit dem Übernahmeverbot durch das Kartellamt im März 2015 Zeit gehabt, Alternativen zu suchen.

Angst vor Hängepartie


In dem Brief der Geschäftsführung heißt es, dass es im Oktober 2014 noch 475 Filialen gegeben habe. Die Zahl werde Ende 2016 auf 405 gesunken sein. "Besonders kritisch ist die Situation in unserer Region Nordrhein", heißt es in dem Brief. Sollte sich die Hängepartie über "weitere viele Monate" hinziehen, wäre das anders: "Für einen solchen Fall können wir aus heutiger Sicht eine ordnungsgemäße Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes nicht mehr garantieren", schreiben die Manager.

Monatelang dürfte sich das Drama aber ohnehin nicht mehr hinziehen. Am kommenden Freitag tagt der Tengelmann-Aufsichtsrat, um über den Zerschlagungs-Plan zu reden. Eigentümer Karl-Erivan Haub werde dem Aufsichtsrat demnach vorschlagen, Dutzende unrentable Filialen zu schließen.
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