Überschussliquidität bei EZB wächst rapide
Eine Billion übrig

Eine Billion Euro an "Überschüssen" der Geschäftsbanken liegt durch die lockere Geldpolitik auf EZB-Konten. Doch was die Banken damit anfangen, ist nur schwer zu beeinflussen. Bild: dpa

Über Geldmangel können die Banken im Euro-Raum nicht klagen. Erstmals haben sie über eine Billion Euro an "Überschüssen" auf Konten der Europäischen Zentralbank. Dabei sollte dieser Betrag normalerweise nahe Null liegen. Wie kommt die Riesensumme zustande?

Frankfurt. So viel Geld hatten die Geschäftsbanken der Euro-Zone noch nie bei ihrer Notenbank auf dem Konto: Die sogenannte Überschuss- liquidität hat erstmals die Schwelle von einer Billion Euro überschritten. Das geht aus Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) hervor. Es sind 1 022 810 000 000 Euro - eine astronomische Summe. Würde man entsprechend 50-Euro-Scheine der Länge nach aneinanderreihen, könnte man das Band knapp vier Mal zum Mond und zurück spannen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Wie kommt die Billion zustande?

Seit Monaten wächst die Überschussliquidität rapide. Laut Bundesbank ist dies vor allem darauf zurückzuführen, dass die EZB Staats- und inzwischen auch Unternehmensanleihen aufkauft. Immer wenn Banken der EZB Wertpapiere verkaufen, fließt im Gegenzug EZB-Geld auf ihre Konten. Die Überschussliquidität ist derjenige Betrag, den die Banken über eine Pflichtreserve hinaus bei der EZB auf dem Konto haben.

Sind hohe Überschüsse auf den EZB-Konten der Banken normal?

Nein. "Sofern der Geldmarkt normal arbeitet, stattet das Euro-System das Bankensystem so mit Zentralbankgeld aus, dass es praktisch keine Überschussliquidität gibt", heißt es in einer Definition auf der Webseite der Bundesbank. Seit der Finanzkrise ist es mit dieser Normalität vorbei.

Was machen die Banken mit all dem überschüssigen Geld?

Sie könnten das Geld zur Aufstockung der Kreditvergabe nutzen. Dass sie so Überschüsse von einer Billion Euro abbauen könnten, sei aber völlig abwegig, sagt Stefan Kooths, Experte beim Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). "Das würde eine Explosion des Kreditvolumens voraussetzen."

Was will die EZB mit ihren Wertpapierkäufen bezwecken?

Die Währungshüter wollen durch eine Erhöhung der Geldmenge die Inflation antreiben und die Kreditvergabe der Banken an die Realwirtschaft ankurbeln. Die Überschussliquidität sei ein gewollter Effekt. Sie stelle auch sicher, dass es keine Engpässe der Banken geben könne - wie während der letzten Finanzkrise. Davon kann aber keine Rede sein. Die Banken schwimmen im Geld.

Erreicht die EZB ihre Ziele?

Bisher nicht. Die chronisch schwache Inflation springt trotz der Geldschwemme der Notenbank nicht an. Das liegt an dem starken Rückgang der Weltmarktpreise für Rohöl und an dem kraftlosen Wirtschaftswachstum im Währungsraum.

Ist die lockere Geldpolitik also gänzlich wirkungslos?

Nein. Die Zinsen von Staats- und Unternehmensanleihen, aber auch von Bankkrediten liegen zurzeit so tief wie nie zuvor. Allerdings weiten die Banken trotzdem ihre Kreditvergabe an die Wirtschaft nur leicht aus.

Wie bewerten Experten die Geldschwemme?

Sehr unterschiedlich. Deutsche Volkswirte stehen der lockeren Geldpolitik meist skeptisch gegenüber. Die EZB kann die Banken zwar mit Geld fluten - was die Banken damit aber anfangen, kann sie nur begrenzt beeinflussen.
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