Umbau zwischen Streiks

Nach dem Streik ist vor dem Streik: Lufthansa-Kunden müssen sich am Donnerstag schon wieder auf Ausfälle und Verspätungen einstellen. Trotz der erneuten Arbeitsniederlegungen der Piloten hält der Konzern an seinem neuen Konzept fest.

Zwischen zwei Pilotenstreiks hat die Lufthansa einen massiven Ausbau ihres Billigangebots auf den Weg gebracht. Damit will der Konzern im harten Preiskampf anderen Billigfliegern wie Ryanair oder Easyjet die Stirn bieten. Der Aufsichtsrat billigte am Mittwoch ein Konzept von Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Dabei setzt der Konzern auf die Marke Eurowings.

Die bereits bestehende Tochtergesellschaft erhält größere Flugzeuge und soll künftig kostengünstige Direktflüge sowohl innerhalb Europas als auch auf der Langstrecke anbieten. Die erst 2013 neu aufgestellte Billigmarke Germanwings wird im kommenden Jahr weitgehend verschwinden. "Wir wollen in ganz Europa erfolgreich sein, und da bietet sich der Markenname Eurowings besser an als Germanwings, wenn die Maschine künftig von Österreich nach Spanien fliegt", sagte Spohr.

Die günstigere Kostenstruktur soll durch geringere Personalkosten bei Piloten und Kabinen-Crew sowie für Wartung und Flugbetrieb erreicht werden. Die Piloten bei Eurowings verdienen deutlich weniger als ihre Kollegen bei der Lufthansa, die unter den Konzerntarifvertrag fallen. In den Flugzeugen des Lufthansa-Konzerns arbeiten derzeit rund 9100 Piloten, von denen aber nur rund 5400 nach Tarifvertrag bezahlt werden.

Im aktuellen Tarifkonflikt geht es um die Übergangsrenten dieser 5400 Piloten, aber zumindest im Hintergrund auch um den künftigen Kurs des Dax-Konzerns mit dem Ausbau des Billigangebots. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) äußerte zwar scharfe Kritik am Billig-Konzept, will es aber laut Sprecher Jörg Handwerg "nicht wegstreiken". Zur Frage der Übergangsversorgung bot die Lufthansa eine Schlichtung an. Die VC will dieses Angebot in der kommenden Woche prüfen, wie ein Sprecher sagte.

Absolutes Unverständnis

An dem für Donnerstag angekündigten Streik hält die Gewerkschaft aber fest. Der Ausstand soll von 3 Uhr früh bis Mitternacht dauern. Die Lufthansa strich wegen der erneuten Arbeitsniederlegungen für Donnerstag mehr als die Hälfte ihres Langstreckenangebots. Das Unternehmen reagierte mit "vollkommenem Unverständnis" auf die neuen Streiks. Erst am Dienstag war die mittlerweile neunte Streikrunde zu Ende gegangen. Von rund 1400 Flugausfällen waren laut Lufthansa 150 000 Passagiere betroffen. Cockpit kündigte an, nach den Streiks am Donnerstag seien weitere Arbeitsniederlegungen mit Ausnahme der Weihnachtsfeiertage möglich.
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