Umfrage: Arbeitnehmer profitieren von Lage am Arbeitsmarkt - 69 Prozent zufrieden
Beschäftigte selbstbewusster

Die Beschäftigten in Deutschland sind deutlich selbstbewusster geworden. Die Angst vor dem eigenen Rauswurf ist nach einer Umfrage des Beratungsunternehmens Gallup so gering wie seit vielen Jahren nicht. Das dürfte Folgen haben: für die Führungskultur in Büros und Werkshallen ebenso wie für die Tarifabschlüsse. "Die Arbeitnehmer nehmen wahr, dass ihr Unternehmen Schwierigkeiten hat, den Bedarf an Arbeitskräften zu decken", sagt Gallup-Mitarbeiter Marco Nink.

Gute Perspektiven

Zwei Drittel der Angestellten sehen nach der repräsentativen Umfrage des Soziologen gute bis sehr gute Chancen, eine neue Stelle zu finden, falls sie gefeuert werden - fast doppelt so viele wie noch vor acht Jahren. Nur noch 15 Prozent halten sich für chancenlos. "Die Beschäftigten werden untreuer", beobachtet Nink. Der Wettkampf um die Talente sei in vollem Gange. Bei 13 Prozent der Befragten hat seiner Umfrage zufolge im vergangenen Jahr ein Headhunter angerufen.

Auch wenn nach Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) die Beschäftigten ihren Brötchengebern zumindest bis 2012 noch recht treu waren - mit konstant durchschnittlich 11,2 Jahren im Betrieb - verweist die Umfrage darauf, dass der Fachkräftemangel die Gewichte verschiebt.

"Wenn ich mir die Beschäftigungsentwicklung ansehe, dann beurteilten die Leute ihre Situation durchaus rational", sagt Karl Brenke, der Arbeitsmarktexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie seit beinahe einem Vierteljahrhundert nicht. 42,5 Millionen Menschen sind erwerbstätig, und die Unternehmen stellen weiter ein.

IAB: Arbeitsumfeld wichtig

In den Tarifabschlüssen schlägt sich das aus Brenkes Sicht bislang nicht nieder, was aber nur eine Frage der Zeit sei. Doch ausschließlich mit Geld werden die Betriebe ihre Leute nicht halten. Das IAB rät zu guten Arbeitsbedingungen. "Der Kündigungsgrund Nummer eins ist die Führungskraft", sagt Nink. Auch knauserten zu viele Chefs mit Lob, interessierten sich zu wenig für ihre Leute und bänden sie zu wenig ein. 69 Prozent der Befragten sind dennoch mit ihrem Chef zufrieden und bescheinigten ihm Fairness und Verantwortungsbewusstsein.
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