"Unendlicher Schaden"

Die VW-Mitarbeiter - hier bei der Dieselmotor-Montage im Volkswagen-Werk Salzgitter - sollen unter den Folgen des Abgas-Skandals nicht zu leiden haben. Das jedenfalls fordert die IG Metall. Bild: dpa

Die IG Metall hat großen Einfluss im Volkswagen-Konzern und will Schaden von den Arbeitnehmern abwenden. Umweltverbände fordern unterdessen eine unabhängige Untersuchung der Abgas-Affäre.

Die Vorgänge beim größten deutschen Autobauer bedeuteten einen "unendlichen Schaden" für das Produkt, das Unternehmen und den Standort Deutschland, sagte IG-Metall-Chef Detlef Wetzel am Montagabend in Frankfurt. Es sei aber klar, dass die Arbeitnehmer dafür nicht verantwortlich seien. "Es war sicher nicht die Putzfrau, die das verantwortet hat, und der Pförtner war es auch nicht", meinte Wetzel.

Er räumte aber ein, dass sich auch die in Wolfsburg sehr mächtige IG Metall Fragen etwa zu ihrem Beitrag zur Unternehmenskultur bei Volkswagen stellen müsse. Es stehe ein großer Kulturwandel an. "Es ist kein Wert an sich, größer als Toyota zu sein", sagte Wetzel. Zudem müsse man sich fragen: "Wieso haben wir davon nichts gewusst?"

Der Skandal hat aus Sicht der Gewerkschaft aber nichts mit der besonders ausgeprägten Mitbestimmung in dem Konzern zu tun. "Die Mitbestimmung bezieht sich nicht auf die Frage, welche Komponenten in einen Motor eingebaut werden", sagte Wetzel. Die Verantwortlichen müssten gefunden und zur Verantwortung gezogen werden. Das sei Aufgabe der Staatsanwaltschaft.

Warnung von Gabriel

Auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat davor gewarnt, infolge des Skandals Arbeitsplätze aufs Spiel zu setzen. Es gehe um einen dramatischen Vorgang, der aufgeklärt werden müsse. "Trotzdem wollen wir alles dafür tun, dass Volkswagen auch wieder in eine stabile Situation kommt - nicht wegen der Manager, aber wegen der 600 000 Beschäftigten."

Umweltverbände fordern eine Untersuchung des Skandals durch eine unabhängige Kontrollbehörde. "Wir haben in den vergangenen acht Jahren erlebt, wie das ehemals stolze Kraftfahrt-Bundesamt zum devoten Dienstleister der Autobauer verkam", erklärte der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, am Dienstag.

"Kultur des Vertuschens"

Verkehrsministerium und Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) wirft Resch vor, Hinweise und Warnungen zu einem deutlich überhöhten Schadstoff-Ausstoß deutscher Dieselautos jahrelang ignoriert zu haben. Er verlangt die Schaffung einer unabhängigen Institution nach dem Vorbild der US-Kontrollbehörde EPA. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz hält Ministerium und KBA für "keine geeigneten Institutionen" zur lückenlosen Aufklärung des Abgas-Skandals. "Sie sind Teil einer Kultur des Vertuschens und Verschweigens, die zu diesem Skandal geführt hat", erklärte der Vorsitzende Hubert Weiger.
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