Verdacht auf Manipulation von CO2-Werten bei Audi
Mit dem Lenkrad gelinkt?

Entscheidend ist, was hinten raus kommt. Und das war offenbar auch bei Audi öfter als bislang angenommen nicht ganz sauber. US-Behörden erheben gegen den Ingolstädter Autobauer neue Schummel-Vorwürfe. Auch die CO2-Werte sollen geschönt sein. Bild: dpa
 
Hans Dieter Pötsch. Bild: dpa

Hat Audi nicht nur bei Fahrzeugen in den USA, sondern auch in Europa die Abgaswerte manipuliert? Und sind auch CO2-Werte geschönt worden? Die amerikanische Umweltbehörde soll dafür Belege gefunden haben.

Berlin. Die VW-Tochter Audi soll stärker in den Abgas-Skandal verstrickt sein als bislang bekannt. Wie die "Bild am Sonntag" berichtet, hat die kalifornische Umweltbehörde Carb im Sommer eine weitere illegale Softwarefunktion bei einem Audi mit V6-Motor entdeckt. Diese habe Audi auch für die Manipulation von CO2-Werten für Diesel und Benziner in Europa verwendet, schreibt die Zeitung. Bei der Carb war am Wochenende zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Einfach drehen


Dem Bericht zufolge konnten bestimmte Audi-Modelle mittels einer sogenannten Lenkwinkel-Erkennung unterscheiden, ob sie auf einem Rollenprüfstand sind oder auf der Straße fahren. Wird das Lenkrad nach dem Start nicht bewegt, aktiviert sich in Automatik-Getrieben ein Schaltprogramm, mit dem besonders wenig CO2 ausgestoßen wird. Dreht der Fahrer das Lenkrad dagegen, deaktiviert sich diese "Aufwärmstrategie". Das Fahrzeug läuft daraufhin mit einem anderen Schaltprogramm, das mehr Kraftstoff verbraucht und mehr CO2 erzeugt. Weder Volkswagen noch Audi wollten den Bericht am Sonntag kommentieren.

Die Lenkwinkel-Erkennung soll früheren Berichten zufolge auch Bestandteil der Software gewesen sein, mit der VW die Stickoxidwerte seiner Diesel geschönt haben soll. Der Einsatz auch bei CO2-Werten wäre eine neue Dimension. Das Bundesverkehrsministerium hatte bei Nachmessungen im Zuge der Abgas-Affäre zunächst Werte des gesundheitsschädlichen Stickoxids auch bei anderen Herstellern geprüft. Bei 30 Automodellen wurden auch auffällig hohe CO2-Emissionen gemessen.

Techniker suspendiert


Die "Bild am Sonntag" berichtete weiter, Audi habe diese Prüfstanderkennung jahrelang eingesetzt. In vertraulichen Firmendokumenten heiße es: "Schaltprogramm soll so ausgelegt werden, dass es auf der Rolle zu 100 % aktiv ist, vor Kunde aber nur in 0,01 %." Audi habe den Einsatz der Software im Mai 2016 gestoppt. Mehrere Techniker seien suspendiert worden. In den USA steht Audi wegen rund 85 000 Dieselautos mit illegaler Abgastechnik unter Druck. Bei rund 475 000 kleineren Dieselwagen hat sich VW sich mit geschädigten Besitzern und Behörden in den USA bereits auf einen milliardenschweren Vergleich geeinigt. Bei den größeren Modellen, die mit 3,0-Liter-Motoren der VW-Tochter Audi unterwegs sind, steht ein Kompromiss noch aus.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen VW-Aufsichtsratschef PötschVW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch ist wegen des Verdachts auf Marktmanipulation im Abgas-Skandal ins Visier der Ermittler geraten. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt neben zwei weiteren Beschuldigten nun auch gegen Pötsch, wie Volkswagen am Sonntag mitteilte. VW sei aber weiter der Auffassung, dass der Vorstand den Kapitalmarkt ordnungsgemäß informiert habe. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig wollte sich am Sonntag nicht dazu äußern.

Bereits gegen Ex-VW-Boss Martin Winterkorn und den amtierenden VW-Markenchef Herbert Diess läuft ein Ermittlungsverfahren. Gegen die Manager liegt ein Anfangsverdacht vor, die Finanzwelt zu spät über den aufgeflogenen Abgas-Skandal informiert zu haben. Bei Pötsch beziehe sich das Ermittlungsverfahren auf die Zeit, als er Finanzvorstand des Konzerns war, wie VW mitteilte.

Die VW-Aktie hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe im vergangenen Jahr massiv an Wert verloren. Viele Aktionäre verlangen einen Ausgleich. Zuletzt lagen am Landgericht Braunschweig 1400 Klagen vor. Insgesamt fordern sie etwa 8,2 Milliarden Euro. (dpa)
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