Verdi zeigt die kalte Schulter

Bei der Lufthansa tritt eine neue Gewerkschaft an, die zunächst vor allem Verdi Konkurrenz machen will. Vor wenigen Tagen hat das Registergericht die Gründung der Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL) bestätigt.

Das erklärte der Chef der Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation (Ufo), Nicoley Baublies, am Freitag in Frankfurt. Es handele sich um eine Dachorganisation, der neben Ufo weitere, bislang noch nicht tariffähige Gewerkschaften aus dem Luftverkehrsbereich beigetreten seien. Zunächst hatte die "Rheinische Post" (Freitag) über die Gründung berichtet.

Als ersten Schritt will die IGL die Lufthansa zu Tarifverhandlungen für alle Berufsgruppen außerhalb des reinen Flugbetriebs auffordern. Das rund 33 000 Köpfe zählende Bodenpersonal in den Technikeinheiten, den Großküchen oder an den Bodenstationen wird bislang von der DGB-Gewerkschaft Verdi tariflich vertreten. In den vergangenen Jahren haben sich kleinere Gruppen wie die Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr (AGiL) und die Technikgewerkschaft Luftfahrt (TGL) gegründet, die jetzt ebenfalls der IGL beigetreten sind.

Bei konkurrierenden Gewerkschaften innerhalb eines Betriebs könnte erstmals das neue Gesetz zur Tarifeinheit angewendet werden. Danach könnte nur die mitgliederstärkere Gewerkschaft einen Tarifvertrag verhandeln. "Wenn tatsächlich gezählt werden sollte, haben wir gute Karten", erklärte Baublies. Dem widerspricht Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle: "An dieser Stelle bin ich extrem gelassen. Verdi ist die mit Abstand größte Gewerkschaft bei der Lufthansa am Boden." Für eine Zusammenarbeit mit dem "nicht tariffähigen Konstrukt" IGL bestehe für Verdi kein Anlass.

Für die rund 19 000 Flugbegleiter will die Ufo selbst weiterverhandeln und den besonders umstrittenen Piloten-Tarif zunächst weiterhin der Vereinigung Cockpit (VC) überlassen.
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