Versicherung will Daten über Lebensstil

Sport treiben oder sich gesund ernähren: Das wollen die Versicherungen künftig bei den Prämien berücksichtigen. Archivbild: dpa

Wer gesund lebt, profitiert: Per Telemonitoring will Generali künftig Kundendaten über Fitness und Lebensstil erfassen. Verbraucherschützer sind alarmiert.

Der Versicherer Generali will in der Lebens- und Krankenversicherung künftig Fitness-Daten seiner Kunden sammeln. Eine Sprecherin von Generali Deutschland bestätigte am Freitag einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Ziel sei es, die Kunden dabei zu unterstützen, sich selbst um ihre Gesundheit zu kümmern, sagte die Sprecherin.

Wer sich für eine Lebens- oder Krankenversicherung nach dem neuen Modell entscheide, solle Generali regelmäßig Daten zum Lebensstil übermitteln. Über eine App sollten Vorsorgetermine dokumentiert, Schritte gezählt oder sportliche Aktivitäten erfasst werden, berichtete die SZ. Auch eine gesunde Ernährung gehöre zu dem Paket. In einem ersten Schritt bekämen Versicherte mit gesundheitsbewusstem Lebenswandel Gutscheine für Reisen und fürs Fitnessstudio, im nächsten Schritt seien dann Rabatte bei den Versicherungsprämien möglich.

"Gesündere Kunden"

Die neuen Angebote sollten in den nächsten zwölf bis 18 Monaten auch in Deutschland erhältlich sein. "Damit stärken wir die Bindung zu unseren Kunden", sagte Generali-Chef Mario Greco dem Bericht zufolge vor Investoren. "Außerdem beeinflussen wir das Verhalten unserer Kunden, und gesündere Kunden sind besser für uns."

Nach Angaben der Sprecherin steht allerdings eine konkrete Produktausgestaltung derzeit noch nicht fest. Wenn die Versicherten selbst nicht an dem neuen Modell teilnehmen wollten, sei das "nichts Schlimmes", sagte die Sprecherin und verwies auch auf das Vorgehen der Krankenkassen, die Bonus-Leistungen für die regelmäßige Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen oder an Fitnesskursen bieten. Auch andere Versicherer arbeiteten an ähnlichen Projekten, hieß es in der "SZ". Die Gesellschaften wollten ihre Kunden so genau wie möglich kennen, um ihnen individuelle Tarife anbieten zu können. Wer gesund lebe, bekomme Rabatte. Umgekehrt bestehe die Gefahr, dass Versicherte, die nicht zur Weitergabe ihrer Daten bereit seien, deutlich höhere Versicherungsprämien zahlen müssten.

"Überwachungspotenzial"

Verbraucherschützer sehen die Pläne mit Sorge. Prinzipiell dürfe jeder Verbraucher jede App auch zu Gesundheitszwecken nutzen und die Daten dorthin stellen, wohin er möchte, sagte Gesundheitsexpertin Ilona Köster-Steinebach vom Verbraucherzentrale Bundesverband. "Bei so detaillierten Apps, die genau Aufschluss geben über körperliche Aktivitäten, Ernährung oder Ähnliches sehen wir ein erhebliches Überwachungspotenzial", gab sie zu bedenken.
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