Versicherungsbranche zieht Bilanz
Stürmische Zeiten

Im März 2015 fegten die Sturmtiefs "Mike" und "Niklas" über das Land und verursachten große Schäden. Archivbild: dpa

Der Süden ist nach der langjährigen Wetterstatistik die sonnigste Region Deutschlands - aber auch die Unwetter sind dort heftig. Darauf hat am Donnerstag die Allianz hingewiesen.

Unterschleißheim. Bayern wird nach einer Auswertung des Versicherungskonzerns Allianz besonders heftig von Unwettern getroffen. 2015 haben sich die Schadenmeldungen aus dem Freistaat bei Deutschlands größtem Versicherer mehr als verdoppelt. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten "Naturkatastrophenkalender" des Unternehmens hervor. Demnach meldeten die bayerischen Kunden 2015 rund 56 800 Unwetterschäden - im statistischen Schnitt waren das mehr als 150 pro Tag.

Die Schadensumme verdreifachte sich im Vergleich zum Vorjahr fast von 25 auf 73 Millionen Euro. Das sagte der für die Schadenregulierung bei der Allianz Deutschland zuständige Vorstand Mathias Scheuber. 80 Prozent aller in Bayern gemeldeten Schäden waren auf Sturm und Hagel zurückzuführen, gefolgt von Blitz und Überspannung. Auf Platz drei folgten Überschwemmungen und Starkregen. Die durch Wasser verursachten Schäden sind vergleichsweise selten - aber teuer: Die durchschnittliche Schadensumme lag 2015 bei knapp 4000 Euro, fast dreimal so hoch wie bei einem Sturm- oder Hagelschaden. Unwetter treten in der Regel saisonal gehäuft auf - aber nicht in jedem Jahr zur selben Jahreszeit: 2015 war der März mit fast der Hälfte sämtlicher Schadenmeldungen des ganzen Jahres der gefährlichste Monat. 2014 waren Juli und Oktober die stürmischsten Monate gewesen. Ausgesprochen friedlich waren im vergangenen Jahr dagegen der Februar und der Oktober mit jeweils nur 0,3 Prozent der Schadenmeldungen.

Blitze vor allem im Süden


Laut Allianz meldeten ihre Kunden bundesweit im vergangenen Jahr 305 000 Unwetterschäden. Wie in Bayern waren auch bundesweit die meisten Fälle auf Sturm und Hagel zurückzuführen, gefolgt von Blitz und Überspannung. Auf Platz drei lagen Überschwemmungen und Starkregen. Blitze sind demnach in Süddeutschland und im Erzgebirge häufiger als im Norden - und auf dem Dorf offensichtlich gefährlicher als in der Stadt: "In städtischen Regionen mit sehr verzweigten Leitungsnetzen führt ein Blitz deutlich seltener zu einem Überspannungsschaden als auf dem Land", sagte Allianz-Meteorologe Markus Stowasser.

2015 war ein besonders stürmisches Jahr: Im Vergleich zu 2014 gab es nahezu eine Verdopplung der Schadenmeldungen, sagte Scheuber. 2014 zahlte das Unternehmen 243 Millionen Euro für Unwetterschäden, 2015 waren es 376 Millionen. Unwetter treten auch nicht zu jeder Jahreszeit gleich häufig auf: 2015 fiel mehr als ein Drittel aller Schäden im März an, als die Stürme "Mike" und "Niklas" übers Land zogen. Das war eine Abweichung vom langjährigen Durchschnitt, denn normalerweise ist laut Stowasser der Winter die stürmischste Jahreszeit. Der Oktober 2015 hingegen war mit nur 0,3 Prozent der Schadenmeldungen ausgesprochen friedlich.

Dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zufolge zahlten die Versicherer im vergangenen Jahr knapp 2,6 Milliarden Euro für Unwetterschäden. Die Versicherungsbranche fürchtet, dass wegen des Klimawandels die ruhigen Jahre ohne große Sturmschäden seltener werden. In der Langzeit- betrachtung ist laut GDV bereits jetzt erkennbar, dass schadensreiche und -arme Jahre in schnellerem Wechsel aufeinanderfolgen.

"Klimawandel stoppen"


In diesem Jahr habe die Unwetter- serie in der ersten Jahreshälfte schon mit 1,2 Milliarden Euro zu Buche geschlagen. "Steigende Schäden sind jedoch kein Naturgesetz", erklärte GDV-Präsident Alexander Erdland. Er forderte die Politik auf, alles Erdenkliche zu tun, um den Klimawandel zu stoppen.
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