Versöhnlicher Ausklang eines schwierigen Jahres

Zum Schrauben gibt es immer etwas. Die Bestellbücher der Maschinenbauer haben sich nach einem schwachen November wieder gefüllt: Der Auftragseingang lag im Dezember um 13 Prozent über dem Vorjahresniveau. Archivbild: dpa

Das billige Öl und der schwache Euro dürften den deutschen Maschinenbauern auch 2015 Rekorde einbringen. Die Sektkorken knallen dennoch nicht: Griechenland und die Ukraine verunsichern Investoren.

Wie keine andere Branche sind die Maschinenbauer darauf angewiesen, dass Unternehmen an eine solide Zukunft glauben und Geld in neue Maschinen und Anlagen stecken. Und danach sieht es derzeit nicht aus. Das Wachstum werde daher mit zwei Prozent nur moderat ausfallen, schätzt der Branchenverband VDMA.

Immerhin dürften viele Investoren wegen des Ölpreisverfalls mehr Geld in der Kasse haben. Zugleich werden exportierte Maschinen und Anlagen "made in Germany" durch den schwächelnden Euro in Asien oder Amerika günstiger. "Der Wechselkurs gibt uns Rückenwind. Aber die Risiken, die sich hinter dieser Entwicklung verbergen, sind nicht wegzureden", schränkt VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers ein.

Branche auf Sparkurs

Denn vom Rückgang des Ölpreises sind die Förderländer negativ betroffen, "insbesondere die, die nicht über andere Einnahmequellen verfügen", betont Wiechers. In diesen Ländern dürfte weniger investiert werden, was sich auch auf den Maschinenbau niederschlage. Und: Der niedrige Ölpreis ist nicht für alle positiv, wie Ökonom Eric Heymann von der Deutschen Bank erklärt: "So dürften Unternehmen, die Maschinen und Anlagen für die Exploration neuer Ölfelder herstellen, in den kommenden Monaten weniger Aufträge registrieren."

Immerhin haben sich die Bestellbücher der deutschen Maschinenbauer zum Jahresende wieder gefüllt. Der Auftragseingang lag im Dezember laut VDMA um 13 Prozent über dem Vorjahresniveau. Wiechers spricht vom versöhnlichen Abschluss eines schwierigen Jahres. Große Freudensprünge löst das Ergebnis jedoch nicht aus: "Der November war schlecht." Unterm Strich stehe für das Gesamtjahr im In- und Ausland nun ein Plus von zwei Prozent - "ein Ergebnis, das hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückbleibt", sagt Wiechers. Denn die Hoffnungen auf eine Trendwende wurden immer wieder zunichtegemacht.

Neue Rekordzahlen

Ein Grund war die Russland-Ukraine-Krise, die nicht nur die Ausfuhren belastete. Zudem lief das Geschäft in den Schwellenländern eher zäh, und die Investitionsnachfrage im Inland kam nicht richtig in Gang. Dennoch verbuchten die Maschinenbauer 2014 Rekorde bei Umsatz, Produktion, Exporten und Beschäftigung - und übertrafen damit die bisherigen Höchstwerte von 2008. "Das war aber auch keine große Kunst, denn wir hatten diese Rekorde 2013 nur knapp verfehlt", räumt Wiechers ein. Die reale Produktion stieg um ein Prozent auf 199 Milliarden Euro. 2015 könnte die Branche - mit zuletzt mehr als einer Million Beschäftigten Deutschlands größter industrieller Arbeitgeber - die Schwelle von 200 Milliarden Euro überschreiten.

Experten erwarten, dass die lange schwächelnden Ausrüstungsinvestitionen 2015 im Schnitt um 3 Prozent anziehen. Wiechers schätzt, dass zunächst der Bedarf an Erneuerung veralteter Maschinen befriedigt wird: "Die Stimmung ist nicht so berauschend, dass die Investitionen wahnsinnig anziehen müssten." Das bescheidene Wachstum soll aus dem Ausland kommen. Mit einer Exportquote von 76 Prozent ist der deutsche Maschinenbau auf starke Ausfuhren angewiesen.
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