Vertrauen auf dem Prüfstand

Abgasuntersuchung an einem VW Golf in einer Werkstatt. Mancher Fahrer eines Dieselfahrzeugs fragt sich jetzt, ob auch sein Auto betroffen sein könnte. Bild: dpa

Autofahrer sind verunsichert: Ist ihr Diesel einer der elf Millionen Volkswagen, die die Umwelt viel mehr verschmutzen als gedacht? Sind auch andere Marken betroffen? Kann man überhaupt noch guten Gewissens einen Diesel fahren?

Der Skandal um manipulierte Diesel-Abgasmessungen bei Volkswagen hat Autofahrer vor den Kopf gestoßen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Welche Autos aus dem Hause Volkswagen sind betroffen?

Das ist noch nicht geklärt. Schon am Dienstag hatte Volkswagen betont, dass eine "auffällige Abweichung zwischen Prüfstandswerten und realem Fahrbetrieb" ausschließlich beim Diesel-Motortyp EA 189 festgestellt wurde. Derzeit bereitet der Konzern eine Liste der von der Abgas-Affäre betroffenen Dieselwagen vor, wie ein VW-Sprecher am Donnerstag erklärt hat. Laut Verkehrsminister Alexander Dobrindt geht es um Fahrzeuge mit 1,6- und 2-Liter-Dieselmotoren. Bisher bekannt ist zudem, in welche Audi-Modellreihen der besagte Motor verbaut wurde: A1, A3, A4 und A6. Auch bei Skoda wurden Modelle der Reihen Fabia, Roomster, Octavia und Superb aus den Jahren 2009 bis 2013 teilweise mit den Dieselmotoren ausgerüstet.

Geben auch andere Marken einen zu niedrigen Stickoxid-Ausstoß an?

Das steht noch nicht fest. Autobauer wie Daimler, BMW, Opel oder Fiat haben erklärt, sich an alle Vorgaben zu halten. Experten gehen aber davon aus, dass nicht nur VW-Fahrzeuge mehr Schadstoffe ausstoßen als angegeben. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) etwa hat behauptet: "Das Problem besteht nicht nur in den USA, sondern in noch deutlich stärkerem Umfang in Europa, vor allem bei den deutschen Herstellern."

Woran erkenne ich, dass ein solcher Motor in meinem Auto verbaut ist?

Das lässt sich an der Motornummer erkennen - diese besteht aus maximal drei Buchstaben und einer Zahl - im aktuellen Fall aus "EA 189". "Die Motornummer steht eingeschlagen im Motorblock", erklärt das VW-Autohaus Frankfurt.

Was bedeuten die höheren Abgaswerte für Feinstaubplaketten und Steuern?

Erst mal gar nichts. Denn mit den Plaketten für die Umweltzonen soll die Luftbelastung durch Rußpartikel bekämpft werden, wie ADAC-Sprecher Christian Buric erklärt. Und die Steuer orientiere sich am Ausstoß des Treibhausgases CO2, nicht an Stickoxid-Emissionen.

Was soll ich als Verbraucher tun?

DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch rät VW-Fahrern, sich schriftlich an den Autobauer zu wenden und sich die Schadstoffwerte für ihr Auto bestätigen zu lassen. "In dem Schreiben empfiehlt sich ein Hinweis darauf, dass man sich rechtliche Schritte vorbehält, wenn falsche Angaben gemacht werden sollten." Liegen die Werte über den Vorgaben, sollten Kunden eine kostenlose Nachbesserung einfordern, sagt Resch. Die Verbraucherzentralen haben den VW-Konzern aufgefordert, betroffene Autos nachzurüsten oder den Besitzern einen Anspruch darauf zuzugestehen.

Was bedeutet der VW-Skandal für Dieselfahrzeuge allgemein?

Der Autoverband VDA betont, dass Diesel-Fahrzeuge für die geplante Senkung des CO2-Ausstoßes sehr wichtig sind: "Moderne Diesel-Antriebe sind für die Erreichung der europäischen Klimaschutzziele unverzichtbar." Die DUH hatte vor der Frankfurter IAA mit dem Slogan "Diesel-Abgase töten" gegen die aus ihrer Sicht "vorsätzliche Nichteinhaltung gesetzlicher Grenzwerte für die giftigen Dieselabgase" protestiert.
Weitere Beiträge zu den Themen: Frankfurt (2447)September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.