Viele Kunden müssen ab 1. November für Girokonto zahlen
Postbank bittet zur Kasse

Die Postbank verlangt künftig für das Führen von Girokonten Geld. Damit folgt sie einem grundlegenden Trend in der Finanzbranche. Nur für junge Menschen und reiche Kunden mit einem höheren Geldeingang bleibt das Konto auch künftig gratis. Archivbild: dpa

Bonn. Viele Kunden der Postbank müssen künftig für ihr Girokonto Geld bezahlen. Die größte Privatkundenbank Deutschlands kündigte am Freitag zum 1. November eine Neuausrichtung ihrer Kontolandschaft und ein verändertes Preismodell an. Hintergrund sind die niedrigen Zinsen, die auf die Ergebnisse drücken. Das Marktumfeld mache es immer schwerer, mit dem Girokonto Geld zu verdienen, begründete Postbank-Vorstand Susanne Klöß den Schritt. In den vergangenen Monaten hatten bereits einige Banken und Sparkassen Gebühren erhöht.

Erstmals führt die Postbank nun ein Online-Konto mit einer monatlichen Grundgebühr von 1,90 Euro ein. Ein flexibles Konto mit einem Entgelt von 3,90 Euro gibt es für Kunden, die ihre Bankgeschäft sowohl online als auch in Filialen abwickeln wollen. "Es wird bei uns aber nach wie vor ein kostenloses Girokonto geben", sagte Klöß. So bleibt für junge Kunden die Kontoführung ebenso kostenlos wie für Kunden im Komfortkonto und mit einem Geldeingang von mindestens 3000 Euro monatlich. Wer diese Grenze nicht erreicht, aber das "Sorglos-Paket" bucht, zahlt 9,90 Euro pro Monat. Abgeschafft in der neuen Konto-Struktur wird der monatliche Mindesteingang von 1000 Euro, ab dem die Kontoführung bislang gratis gestellt worden war. Postbankkunden, die diese Grenze nicht erreichten, mussten bislang 5,90 Euro zahlen. "Wir werden künftig deshalb eine große Anzahl von Kunden haben, die weniger für die Kontoführung bezahlen", betonte Klöß.

Die Postbank, derzeit noch eine Tochterfirma der Deutschen Bank und auf dem Sprung an die Börse, hatte vor knapp 20 Jahren erstmals Gratis-Girokonten eingeführt. Das Institut und ihre Tochterfirmen zählen über 14 Millionen Kunden, davon unterhalten mehr als 5 Millionen ein Girokonto.

Die Kontoführung sei immer schon eine Dienstleistung der Bank gewesen, doch durch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sei ihr die Möglichkeit der Quersubventionierung genommen worden, sagte die Postbankmanagerin weiter. Die Niedrigzinspolitik der EZB hat Banken und Sparkassen in die Bredouille gebracht. Der Leitzins in der Euro-Zone liegt inzwischen bei null Prozent. Parken Banken Geld bei der Notenbank, müssen sie 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen.

Blick über die Grenze: Negativzinsen und die Folgen für SparerIn Deutschland verlangen erste Banken Negativzinsen für Sparer. Zudem erhöhen manche Geldhäuser die Gebühren. Wie sieht es im Ausland aus?

Frankreich: Hier gibt es bisher keine Strafzinsen für Privatkunden. Die Bankgebühren sind zuletzt aber nach zwei Jahren Rückgang wieder gestiegen. Das ergab eine Auswertung des Vergleichsportals panorabanques.com. Minuszinsen drohen nur Unternehmen in Einzelfällen, etwa wenn sie sehr große Summen auf Bankkonten horten.

Dänemark: Zwar verlangt die dänische Zentralbank dort noch höhere Strafzinsen von Banken als die EZB. Doch Geldhäuser geben diese laut der Danske Bank, der größten des Landes, nicht an Privatkunden weiter. Die Institute verdienen gut an Gebühren.

Italien: Negativzinsen und steigende Gebühren beschäftigen Sparer nicht. Sie treibt eher die Krise der heimischen Banken um, die sie ihr Erspartes kosten könnte. Diese stehen unter Druck, da sie faule Kredite in Höhe von 360 Milliarden Euro in ihren Bilanzen haben.

Großbritannien: Nach dem Brexit-Votum hat die Bank of England den Leitzins zwar auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. Damit liegt der Zinssatz aber über dem Wert in der Euro-Zone. Auch erhebt die Notenbank keine Strafzinsen von Banken. Privatkunden bleiben daher verschont, sagt Mike Peacock, Sprecher der Bank of England.

Schweiz: Dort verzichten Banken auf Negativzinsen für Privatkunden - mit einer Ausnahme: Seit Jahresbeginn berechnet die Alternative Bank Schweiz auf Girokonten Minuszinsen von 0,125 Prozent.

Spanien: Die Bank BBVA hat begonnen, in speziellen Fällen Einlagen von Unternehmenskunden mit Negativzinsen zu belegen. Negativzinsen für Privatkunden sind für spanische Banken (noch) kein Thema. (dpa)


Zum Thema:
Oberpfälzer Volks- und Raiffeisenbanken stellen klar: „Girokonto kostet Geld“
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.