Viele Unternehmen ignorieren die neue Frauenquote
Keine Spur von Kulturwandel

Berlin. Die Frauenquote für Führungspositionen gilt ab dem 1. Januar. Doch viele Unternehmen haben darauf noch nicht reagiert. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, wollen etliche Firmen auch 2016 keine Frauen in den Vorstand berufen. Zu den Verweigerern gehören demnach unter anderem Porsche, Fresenius und Eon.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) warnte: "Wer die Frauenquote ignoriert, schneidet sich ins eigene Fleisch." Wer an die Mär glaube, es gäbe nicht genug geeignete Frauen, sei "geistig im vergangenen Jahrhundert stecken geblieben". Nie zuvor habe es eine Generation so gut ausgebildeter Frauen gegeben.

Das sehen die Aufsichtsräte deutscher Unternehmen zum Teil ganz anders - vor allem die Männer unter ihnen. Wie das "Manager Magazin" unter Berufung auf eine Untersuchung der Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller berichtet, ist jedes zweite männliche Aufsichtsratsmitglied der Meinung, die Suche nach geeigneten Kandidaten für den Aufsichtsrat werde durch die Geschlechterquote "erheblich schwieriger". Jeder vierte männliche Aufsichtsrat befürchtet demnach eine "Benachteiligung von Männern". Dass Männer benachteiligt werden, erwarten aber nur acht Prozent der weiblichen Aufsichtsräte.

Das Gesetz verpflichtet 101 börsennotierte, voll mitbestimmungspflichtige Unternehmen ab 2016 bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat sicherzustellen, dass mindestens 30 Prozent der Posten von Frauen besetzt werden. Wird dieser Anteil nicht erreicht, bleiben die Stühle unbesetzt. Außerdem müssen diese Unternehmen sowie rund 3500 weitere Zielvorgaben für den Frauenanteil im Vorstand und in zwei weiteren Führungsetagen veröffentlichen. Für die "Zielvorgabe null" gibt es allerdings keine Sanktionen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.