Volksbank Nordoberpfalz macht "Anpassung" der bestehenden Zielspar-Verträge wieder rückgängig - ...
Sparern bleiben Minus-Zinsen erspart

Ich bedaure den unglücklichen Verlauf sehr.
Weiden. (cf) Auch bei der Volksbank Nordoberpfalz sollten Tausende Sparer die Folgen der Niedrigstzinsen zu spüren bekommen: mit negativen Zinsen auf bestehende Zielspar-Pläne mit einer Laufzeit von bis zu 25 Jahren (wir berichteten). Die Betroffenen beließen es nicht bei massiven Protesten, sie wandten sich auch an die Kundenbeschwerdestelle (Ombudsmann) beim Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken, bemühten Rechtsanwälte und Gerichte. Nun macht die Volksbank auf ganzer Linie ihr Ansinnen rückgängig: Sie verzichtet bei - allen - bestehenden Verträgen jetzt und in Zukunft (über die gesamte Laufzeit) auf jegliche Minus-Zinsen.

Das Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Nordoberpfalz, Direktor Gerhard Ludwig, führte Clemens Fütterer.

Herr Ludwig, was gab den Ausschlag für diesen Rückzieher?

Ludwig: 2014 informierten wir unsere Zielspar-Plan-Kunden, dass wir aus der Niedrigstzinsphase die Konsequenzen ziehen. Diese führten zu einem negativen Sparzins. Durch die jährlichen Boni verblieb bei den Zielspar-Plänen in jedem Fall noch eine positive Rendite. Der Ombudsmann der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken teilt unsere Rechtsmeinung jedoch nicht, den festen Bonus-Satz mit den variabel vereinbarten Zinsen zu verrechnen. Dies funktioniere nicht. Also schrieben wir die belasteten Minus-Zinsen bei allen bestehenden Verträgen wieder gut. Für sie fallen auch künftig keine Minus-Zinsen an.

Welche Gesamtsumme an Minus-Zinsen bekamen die Zielsparer für 2014 zurück?

Ludwig : Wir erstatteten für 2014 rund 320 000 Euro. Ich bedaure den unglücklichen Verlauf sehr.

Die Forderung der Volksbank nach Minus-Zinsen bei bestehenden Verträgen ist also rechtlich nicht zu halten?

Ludwig : Minus-Zinsen sind nur bei den bestehenden Verträgen nicht möglich, nicht generell. Der genossenschaftliche Ombudsmann sieht in den Einlagen der Kunden quasi ein Darlehen an die Bank, für das es keine negativen Zinsen geben darf.

Was passiert mit den Zielspar-Verträgen weiter?

Ludwig: Die Ursprungs-Bedingungen werden wieder hergestellt. Die Kunden werden darüber schriftlich informiert.

Wie bewerten Sie rückblickend das Vorgehen der Volksbank?

Ludwig: Ich hätte mir den Abschluss meiner beruflichen Laufbahn auch anders vorgestellt ... Wir hätten das nicht gemacht, wenn wir nicht davon ausgegangen wären, dass es in Ordnung ist. Wir haben unsere falsche Entscheidung korrigiert, unsere Mitarbeiter und den Aufsichtsrat umfassend informiert. Uns hier wegzuducken, entspräche nicht der Philosophie unseres Hauses. Unseren treuen Kunden etwas wegzunehmen, war die schwerste Entscheidung in meinen 28 Vorstandsjahren.

Ein anderes Thema: Was macht die Fusion mit der Volks- und Raiffeisenbank Amberg?

Ludwig: Zwischen den Vorständen laufen intensive Gespräche über künftige Geschäftsstrategien. Jetzt ist es das Ziel, unter Mitwirkung der beiden Aufsichtsräte die Grundlage für ein erfolgreiches Handeln am Markt zu entwickeln. Wir hoffen, dass dies gelingt.
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